Ob man von der Mode etwas hält oder nicht, man muß sich in Europa bekleiden und gelegentlich einen neuen Mantel oder einen neuen Hut kaufen. Je nach Veranlagung macht man das im Vorübergehen, "wenn einem gerade danach ist", oder wenn es gar nicht mehr zu umgehen ist. Zahlreicher sind die Menschen, die ein besonderes Fest daraus machen und eine besondere Gelegenheit dazu brauchen. Beliebt sind Geburtstage, Kindtaufen und nicht zu vergessen die liebe Weihnachtszeit. Besondere, sogar internationale Anlässe sind heute auch große sportliche Veranstaltungen wie Tennisturniere – wie das besonders berühmte in Wimbledon – oder Pferderennen in Ascott, in Auteuil oder beinahe auch schon wieder das Deutsche Derby in Hamburg. Es geht hier schon lange nicht mehr allein um die besten Tennisspieler, Boxer, Reiter und um die schnellsten Pferde, sondern auch um die schönsten Frauen, um ein sehr lockendes Spiel der Erotik und um die menschliche Eitelkeit. Hier kann man sehen, was die Menschen für Vorstellungen von sich haben und wie sie wirken möchten. Es wird Glanz und Pracht verbreitet, Seiden bauschen sich, betörende Duftwolken wehen im Wind und Farben leuchten. Die Buntheit des Lebens äußert sich hier in einem begeisterten Freudenschrei. Am kommenden Sonntag beim Deutschen Derby 1950 in Hamburg-Horn werden nicht nur die schnellsten und die schönsten Pferde zu sehen sein, sondern, wie aus den Modesalons verlautbart, werden auch viele schnelle und schöne Mannequins sich zeigen, die den Anschluß Deutschlands an die Weltmode präsentieren wollen. Vielleicht werden die Favoriten im Rennen siegen, aber gewiß einige Favoritinnen. Der Wettlauf der Mode ist dabei durchaus nicht so ernst zu nehmen, wie die Verächter es tun. Es ist nur eine Abstimmung, wieweit ein äußerer Ausdruck für das gefunden ist, was vom Innern gezeigt oder verheimlicht werden soll. Es ist auch eine Mutprobe. eka.