"Nanu, was machst denn du daß?"

"Ich schwimm’ mit Barakuda!"

Reklamevers der Saison

Barakuda ist, wenn man wie ein angestochener Hecht durch die gechlorten Karpfenteiche der städtischen Badeanstalten schießt. Barakuda ist das, was nach Ansicht eines Berliners jedem wachsen müßte, der einige Monate Hamburger Klima überstanden hat –: Die erste deutsche Schwimmflosse.

Seit Jahrhunderten strampelt sich die Menschheit, sobald sie ins Wasser gerät, ab nach dem Vorbild der Frösche. Sie nennt das Schwimmen. Der aufgewendete Kraftverbrauch steht dabei in einem so lächerlichen Verhältnis zum erzielten Erfolg, daß eigentlich jeder Nationalökonom Nichtschwimmer sein sollte. Das hört jetzt auf. Wir wollen nicht mehr strampeln wie die Frösche, sondern schwimmen wie die Fische. Da gibt es beispielsweise in den tropischen Meeren einen unerhört schnellen und gewandten Raubfisch, den Barakuda. Blitzschnell, von einigen knappen Schlägen seiner sinnreich konstruierten Schwanzflosse getrieben, jagt er durchs Wasser. Und eben diese Flosse, in drei Größen in elastischem Kautschuk nachgebildet und durch einen Längsschnitt in ihre Hälften getrennt, können nun auch wir uns über die Füße ziehen. Die so gebildete Schwimmfläche entspricht der Stärke der menschlichen Oberschenkelmuskulatur. Wenn der liebe Gott es für richtig hielte, uns mit einem Schwimmschwanz auszustatten, würde er vermutlich ähnliches liefern.

Wer befloßt in die Fluten steigt, ist heute noch eine kleine Sensation. Ängstliche Gemüter flüchten. Sie denken an Hans Hass, den jungen Biologen unter Wasser, und wer an Hass denkt, denkt an Haie. Allein der Vergleich hinkt schon in der ersten Phase. Die Hass-Flossen sind kleiner als die Barakuda-Flossen, denn während jene in erster Linie zum Tauchen bestimmt sind, dienen diese zur Fortbewegung.

Es gibt zwei Arten von Flossenschwimmen. Entweder man schlägt die Beine im Crawlstil, und dann überbietet man alle normalen Rekorde; in Hamburg ließ kürzlich ein zehnjähriger Flossenschwimmer den Hamburger Crawlmeister um Meter hinter sich. Oder aber man schwimmt im Barakuda-Stil: Der Schwimmer legt sich auf den Rücken und macht mit seinem Unterkörper rechts- oder linksum. (Im Prospekt heißt das: eine Vierteldrehung. Aber wer weiß schon, ob eine Vierteldrehung eine Achteldrehung von 360 oder eine halbe Drehung von einer Kehrtwendung ist. Gelobt sei da die Klarheit der militärischen Ausdrucksweise.) Die Beine liegen also seitwärts übereinander, und werden dann scherenartig horizontal hin und her geschlagen, als ob man raifährt oder große Schritte macht. Ohne zu ermiden, mit einer Geschwindigkeit, die etwa der eines Fußgängers entspricht, kann man so, gemächlich mit den Beinen pendelnd, stundenlang durchs Wasser gleiten. Die Hände faltet der Schwimmer über dem Bauch oder läßt sie treiben. Wem es zu langweilig ist, der lese ein Buch oder eine Zeitung. Das alles ist so einfach, daß ein Nichtschwimmer es in einer knappen Stunde erlernen kann. Und wer gar Segler ist, dem wird auch das Geheimnis des Flossenschwimmens alsbald aufgehen. Genau wie bei Wind und Segel, so folgen hier Wasserdruck und Flosse dem Gesetz vom Parallelogramm der Kräfte.