Die Abrüstung auch der Polizei und dazu noch der Föderalismus "um jeden Preis" erschweren in Westdeutschland den Transport von Wertstücken in einer geradezu grotesken Weise. Dafür ein Beispiel aus der jüngsten Praxis:

Es kommt gelegentlich vor, daß Wertpapiere von hohem Nennwert, Banknoten und andere hochwertige Dinge im Bundesgebiet von einem Land zum andern befördert werden missen. Eine Beförderung durch Kurier ist dann wegen der akuten Beraubungsgefahr ausgeschlossen. Der Versand mit der Post ist durch die sehr hohen Versicherungskosten, aber auch aus anderen naheliegenden Gründen nicht empfehlenswert. Der Transport in gepanzerten Kraftfahrzeugen ist unmöglich, da diese weder zur Verfügung stehen, noch für diesen Zweck gebaut werden können. Es kommt also nur ein "gesicherter" Transport mit Lastwagen in Betracht. Die Schwierigkeiten, die dem entgegenstehen, sind aber fast unüberwindlich. Deutschland verfügt zwar über eine gewisse Reserve von Polizeibeamten, die als Schutzbegleitung in Frage kommen. Da es jedoch nur Landespolizei gibt und diese nur in ihrem Gebiet "operieren" darf, ist es verboten, daß uniformierte Polizeibeamte den Grenzübertritt in ein anderes deutsches Land vornehmen! Bei einem Transport – etwa von Frankfurt nach Düsseldorf – müßten daher die Wertstücke jeweils an der Landesgrenze von einer Abteilung einheimischer Polizeibeamter an entsprechende Uniformierte des Nachbarlandes offziell übergeben werden.

Da hier jedoch zeitraubende diplomatische und verfahrenstechnische Schwierigkeiten auftreten, auch Grenzzwischenfälle immerhin im Bereich des Möglichen liegen, scheidet dieser Weg ebenfalls aus. Deshalb wurde nach eingehenden Verhandlungen mit den zuständigen Stellen als einziger Ausweg dieser gefunden: den Transport in einem Streifenwagen der betreffenden Landespolizei durchzuführen, der von nicht-uniformierten, d. h. wenigstens optisch die Gefühle des Nachbarlandes nicht verletzenden Kriminalbeamten (mit steifem Hut) nach den Bestimmungsplätzen in andern deutschen Ländern begleitet wird. Um dies Verfahren durchzuführen, mußten entsprechende Verhandlungen mit der Polizeileitung des Abgangsortes und des Bestimmungslandes in die Wege geleitet werden. (Der Einfachheit halber hat man die auf der Fahrt berührten Länder nur "in Kenntnis gesetzt" und nicht erst um Mitwirkung oder Genehmigung gebeten.) Noch nicht geklärt ist allerdings, ob die Begleitmannschaft Waffen erhalten kann und ob sie die Waffen nach durchgeführter Aktion "auf Kammer" des Nachbarlandes abliefern muß ...

Krs.