Wenn im folgenden von der Technik der Sonderstellung des englischen Pfundes die Rede ist, so ist eine allgemeine Erklärung über die künftige Arbeitsweise der European Payments Union (EPU) angebracht. Es wird künftig, ähnlich wie im internen Bankenverkehr, nicht Ländersalden geben, sondern einen Saldo jeden Landes gegenüber allen anderen Ländern in der EPU. Die Gläubiger werden aus einem gemeinsam eingezahlten Fonds so befriedigt, daß sie erst mit zunehmender Gläubigerstellung Zahlung in Gold oder Dollar fordern dürfen; zuerst – bis zu einer gewissen Kredithöhe – sind sie verpflichtet, mit Bezahlung in einer europäischen Währung zufrieden zu sein, also in Europa zu kaufen: Gläubiger werden zum Import aus Teilnehmerländern angereizt. Die Schuldner, umgekehrt, werden erst mit zunehmenden Schulden zur Zahlung in harter Währung verpflichtet. Bis zu einer festgelegten Grenze zahlen sie bargeldlos in Landeswährung, der dem gemeinsamen Fonds (nach vorheriger Einzahlung natürlich) entnommen wird. Wollen die Schuldner vermeiden, daß darüber hinaus $ abfließen, dann müssen sie also ihre "innereuropäischen" Schulden abdecken: Export nach Teilnehmerländern.

Es gibt kein "Europa-Pfund", das unmißverständlich vom "internationalen Pfund" getrennt werden könnte. Bei der "Gleichschaltung" von Sterling und Europa-Buchgeld in der europäischen Zahlungsunion mußte also versucht werden, das "internationale Pfund" (in dem nach britischen Schätzungen fast die Hälfte aller internationalen Zahlungen erfolgen!) auf solche Weise mit der Rechnungs-Einheit des europäischen Clearings, der "Europa-Devise", parallel zu schalten, daß für England weder aus alten noch aus neuen Sterling-Verpflichtungen aus dem Commonwealth oder überall da in Übersee, wo mit Sterling bezahlt wird, Gold-Forderungen präsentiert werden können. Das ist, soweit es sich übersehen läßt, geglückt. Wenn sich am 6. Juli in Paris die OEEC-Länder zum letzten Feilen an der Zahlungs-Union zusammensetzen, dann wird ihnen eine arbeitsfähige Lösung vorliegen, der sieben Nationen bereits grundsätzlich zustimmten.

Zwei – gedanklich einfache, technisch-schwierige – Sonderregelungen sind notwendig, um das Pfund auf die Europa-Devise abzustimmen! Die wichtigere gilt den alten Sterling-Guthaben der EPU-Länder. Sie können nicht einfach in EPU-Einheiten verwandelt und im laufenden Verkehr verwendet werden; das würde ja das "Einkassieren" aller Sterling-Forderungen, letztlich also Bereitstellung von Gold, bedeuten, Zahlung knappen Goldes für Dinge, die mit Europa direkt nichts zu tun haben. Und beispielsweise in Schweden und Italien war bisher unbegrenztes Auflaufen von £-Schulden ohne Verwandlung in Gold vorgesehen. In Zukunft soll an deren Stelle allgemein die Vergünstigung treten, daß alte Sterling-Guthaben (die vor Inkrafttreten der EPU entstanden sind) bei den monatlichen Abrechnungen zum Ausgleich von Schulden an die EPU verwendet werden können. Der EPU-Schuldner, der zugleich Sterling-Altgläubiger ist, kann also seine EPU-Schulden begleichen, ohne seinen Kreditanspruch an die EPU geltend zu machen. Da dieser Kreditanspruch für einen ersten. Teil des "EPU-Umsatzes" (Basis 1949) keine Gegenleistung erfordert, für die nächste Etappe jedoch mit "halber" Gold-Leistung verbunden sein soll, erhalten also die alten Sterling-Guthaben einen Wert als "Goldersatz mit Zeit-Zündung": Ihre Besitzer können, wenn sie zu EPU-Schuldnern werden, mit alten Sterling den Goldleistungs-Termin hinauszögern. – Und wie sieht die "Gleichschaltung" für EPU-Gläubiger aus? Ihnen will England bei der Revision bestehender Zahlungsabkommen vorschlagen, die aus Sterlinggeschäften entstandenen Guthaben auf Wunsch in Sterling zu halten – nicht mehr! Damit soll verhindert werden, daß ein Gläubiger Europa-Devisen "sammelt" und gegen England bei den monatlichen Verrechnungen zur Verwandlung in Sterling ins Feld führt, um früher oder später England zu Geldleistungen zu veranlassen.

Kurz gesagt: England schützt sich gegen einen Mißbrauch der EPU zur Präsentierung "fremder" Guthaben, indem es zwar keinerlei Einspruch gegen innereuropäische Transaktionen in Sterling erhebt, jedoch nur die aufgelaufenen Sterling-Guthaben gegen sich gelten läßt, nicht die Verwandlung beliebiger Guthaben in Sterling mit dem Ziele, England Gold zu entlocken.

So wäre es also geschafft, die rein bilateralen britischen Abmachungen mit europäischen Ländern über alte und neue Sterling-Guthaben in eine allgemeine europäische Regelung, die EPU, einzugliedern und damit Englands Handel mit Europa "multilateral" zu gestalten. England hofft dabei sichtlich, dem Kontinent mehr an Gütern und Leistungen verkaufen zu können, als es von dort bezieht. Es würde dadurch teils Ansprüche auf die Kredite und Dollarreserven von EPU erwerben, teils seinen Alt-Gläubigern auf dem Kontinent Gelegenheit geben, ihre Sterling-Guthaben zu verwerten. Gw