Die Wohnungsbaukosten sind seit 1939 zweifellos gestiegen. Wenn aber von einer Erhöhung um 250 v. H. gesprochen wird, vergißt man oft, daß die Basiszahl 100 von 1513 datiert, daß es gegenüber dieser Vergleichsbasis schon zwischen 1919 und 1939 Bauindexziffern zwischen 120 und 200 gab. Und seit 1939 sind auch in der übrigen Welt die Baukosten gestiegen. Dabei führt der Wettbewerb der zu zahlreichen Baubetriebe bei der durch die immer noch dünne Auftragsdecke meist unzureichend ausgenützten Betriebskapazität an sich, von heute aus gesehen, zu einem kalkulatorischen Preistiefstand. Die Konkurrenz führt teilweise zum Kauf von Aufträgen durch Preise, die die Betriebskosten nur teilweise decken. Wie aber könnten die Kosten gesenkt werden?

Es gibt noch heute einige Baustoffe, die den Preissturz von 1949 nur ungenügend mitmachten. Und es gibt überhöhte Kosten für Zwischenkredite. Das liegt offen. Hinzu kommen "versteckte" Faktoren: z. B. die heutige Grundrißeinteilung, die im allgemeinen kleinere Wohnungen als früher vorsieht, deshalb höhere Aufwendungen an Zwischenwänden, Installationen usw. verursacht, die niedrigen Geschoßhöhen und die Wahl zu teurer Baukonstruktionei.

Unwahrscheinlichste Baukostensenkungen werden dabei oft durch neue Konstruktionen und neue Arbeitsmethoden in Aussicht gestellt, obwohl eine neue Außenwandkonstruktion, die tatsächlich 20 v. H. sparsamer und technisch einwandfrei ist, an den Gesamtkosten nur eine zweiprozentige Baukostensenkung erreichen kann, weil die Außenwände an den Gesamtbaukosten nur allgemein 10 v. H. ausmachen. Da man aber die endgültige Bewährung neuer Baukonstruktionen nicht wie bei einer Maschine sehr bald, sondern vielleicht nach sechs Jahren feststellen kann, gibt es in der bautechnischen Entwicklung keine Sprünge, sondern nur zögernde Fortschritte gegenüber Altbewährtem.

Baukostensenkung durch neue Arbeitsmethoden ist dagegen unbedenklich, weil ja de Arbeitsmethode ohne Einfluß auf die Konstruktion ist und greifbare Kostensenkungen schon bei der Vorkalkulation zu erwarten sind. Auch Neukonstruktionen, die sich nicht auf die klimatisch hochbeanspruchten Außenwände und die Dacheindeckung beziehen, sind unbedenklich, wenn sie den baupolizeilichen Anforderungen genügen sparsame Massivdecken herzustellen ist ebenso zu begrüßen wie die Entwicklung solider holzsparender Dachstühle und holzsparender Decken durch das Zimmerhandwerk.

Doch die heutigen Ausschreibungsmethoden geben praktisch keine Gewähr dafür, daß tatsächlich die geeignetsten und wirtschaftlichsten Konstruktionen zur Durchführung kommen. Nicht alle Bauplaner sind am Sparen interessiert. Und der Wettbewerb neuer Konstruktionen wird zudem nicht bei der Ausschreibung, sondern im Büro des Bauplaners entschieden. Oft werden Konstruktionen bei der Ausschreibung von Bauten zugrunde gelegt, die offensichtlich zu teuer sind. Die objektive Kostenkontrolle fehlt, da die Ausschreibung eben die Konstruktionen vorschreibt.

Um nun den Bauplanern eine kräftige Hilfe für ihre schwere Entscheidung zu geben, werden heute vielerorts Versuchsbauten errichtet und deren Baukonstruktionen wirtschaftlich und konstruktiv verglichen. So hat sich das Niedersächsische Institut für Bauforschung (Hannover) der Erforschung der Baukostenfrage angenommen, um unabhängig von Reklame zuverlässige Zahlen den Bauplanern zur Verfügung zu stellen. Die Ergebnisse dieser Forschung beim Vergleich der Baukosten von zwei dreigeschossigen Häusern, wobei in diesem Falle für das eine eine weitgehende Ausschaltung von Holz, für das andere übliche Holzbauteile vorgesehen waren: Es steigen die Gesamtbaukosten, wenn Holz nur bei Decken, Fußböden und Treppen ausgeschaltet wird, um 6 v. H. Soweit auch noch bei Dächern, Türen und Fenstern auf Holz verzichtet wird, steigen die Gesamtbaukosten nach den Feststellungen des Institutes um 11 v. H.

Man sieht, das war zu zeigen, daß durch Ausschaltung eines Baustoffes bei der Ausschreibung ohne tatsächliche Kostenkontrolle höhere Baukosten erzielt werden, ohne daß die Ursache auf gewöhnlichem Wege überhaupt nach außen zum Ausdruck kommt. Also wir dürfen zwar Holz nicht verschwenden, wir brauchen es aber nicht zu meiden – Kostenersparnis.