In einem einzigen Land wurde gegen die Vorführung des amerikanischen Films "Die Schlangengrube" – eines Streifens, der brutal die Zustände und Atmosphäre eines Irrenhauses in den Staaten zeichnet – von der Standesvertretung der Nervenärzte Protest erhoben: in Deutschland. Gewiß ist die Schlangengrube kein allgemeingültiger Spiegel der deutschen Irrenhäuser. Aber haben wir deshalb wirklich Grund, beruhigt die Augen zu verschließen vor dem grausamen Schicksal jener, die im Schatten leben? Eine deutsche Illustrierte sagte: Nein.

Der "Stern" hat Anklage erhoben, Anklage gegen die Heil- und Pflegeanstalt in Eichberg im Rheingau. Dort liegt das Leben von 800 leidenden Menschen in den Händen von zwei Ärzten, dem Chefarzt Dr. Hinsen und dem Oberarzt Dr. Ohm. Und diese Ärzte, so sagt der "Stern", hätten sich nicht nur bereits in der Nazi-Ära hervorgetan, sondern sie übten auch heute noch über ihre wehrlosen Kranken eine Willkürherrschaft aus. Es wird von unnatürlichen Todesfällen berichtet, von physischen Strafen durch Injektionen und von Patienten, die über den Zeitpunkt ihrer Heilung hinaus in der Anstalt festgehalten würden...

Vorgesetzte Behörden haben erklärt, die Anschuldigungen seien unzutreffend. Damit ist niemandem gedient. Ja, dieser Umstand läßt es angesichts des überzeugenden Belastungsmaterials sogar notwendig erscheinen, die Untersuchung über die Zustände in Eichberg auch auf jene Stellen auszudehnen, die diese Zustände heute verteidigen. Niemand, kein Arzt, geschweige irgendeine Behörde, hat das Recht, die Mauern einzelner Anstalten so hoch zu ziehen, daß die Öffentlichkeit nicht jederzeit hinübersehen kann.

Joc.