Dieses Feuerzeug", sagte Karl, "habe ich seit sechs Jahren. Es ist ein amerikanisches Feuerzeug und brennt immer. Ein amerikanischer Spion hat es mir geschenkt. Ich wollte, er hätte nie Gelegenheit gehabt, es mir zu schenken, dann lebte er vielleicht heute noch."

Das Feuerzeug flammte auf. Karl hielt es an seine Pfeife und saugte. – "Er saß da, wo du jetzt sitzt", fuhr er fort, "wir saßen uns an den beiden Fensterplätzen gegenüber. Die Fensterplätze erwischten wir, weil wir so früh einstiegen, da war der Zug noch leer."

Durch die Wagenreihe lief ein Ruck und die Lokomotive pfiff. Als der Zug aus der Halle fuhr, schlugen Regentropfen an das Abteilfenster.

"Du mußt nicht denken, daß ich die Amis besonders schätze", sagte Karl, "aber dieser war ein feiner Kerl. Ich wußte ja zuerst auch gar nicht, daß er Amerikaner war. Er fuhr damals im letzten Kriegsjahr jeden Abend mit diesem Zug in die Stadt zur Nachtschicht. Er arbeitete in deiner Fabrik. Aber damals machten sie Granaten und Geschützverschlüsse und keine Türschlösser. Es arbeiteten viele Ausländer dort, Holländer, Franzosen und Jugoslawen. Und er war einer der deutschen Vorarbeiter. Ein großer Kerl war er, und wenn ich in den Zug stieg, saß er schon da. ‚’n Abend, Kamerad‘, sagte ich. Und er antwortete: ‚Guten Abend.‘ Es war stockfinster im Abteil wegen der Flieger. Wir saßen uns gegenüber und sprachen kein Wort. Er hatte ein schmales Gesicht; ich sah es, wenn er mir mit diesem Feuerzeug Feuer gab. Bei dieser Gelegenheit fielen in den ersten Wochen unserer Bekanntschaft die einzigen Worte, die wir außer der Begrüßung wechselten: ‚Danke‘, sagte ich und er: ‚Bitte‘. Und einmal, als mir seine Hände aufgefallen waren, sagte ich: ‚Was hast du kleine Hände. Man sollte nicht glauben, daß du Vorarbeiter bist.‘ ‚Ich bin es aber‘, sagte er, und ich merkte, daß er im Dunkeln lachte.

Auf der nächsten Station füllte sich der Zug. Alle fuhren zur Nachtschicht in die Stadt. Sie waren meistens nicht von hier. Der Krieg hatte sie in diese Gegend verschlagen. Deshalb sprach ich nur wenig mit ihnen und er überhaupt nicht. Weiß der Teufel, warum er es nicht tat; ich war alt, aber so ein junger Bursche muß mit den Kumpels sprechen, sonst halten sie ihn für hochmütig. Es war ein Fehler von ihm, aber damals wußte ich noch nicht, daß es ihm einmal teuer zu stehen kommen würde."

Karl saugte an seiner Pfeife. – "Was uns beide betrifft", erzählte er, "so verstanden wir uns prächtig, auch ohne zu reden. Wir wußten, wie wir unsere Beine unter die Bank des anderen schieben mußten, ohne ihn zu stoßen. – Du fährst heute zum erstenmal mit dem Zug zur Arbeit, und du wirst noch nicht verstehen können, wie wichtig es ist, daß man lernt, die Beine zu strecken, ohne den anderen zu treten. Vor ihm hatte ich einen Nachbarn, der trat mir blaue Flecke aufs Schienbein. Mit ihm aber, wie gesagt, verstand ich mich gut.

Allmählich kam es soweit, daß wir kurze Gespräche miteinander führten. Einmal erkundigte ich mich nach seiner Familie.