Wieder ein Anreiz zum Dollarverdienen

mehr: Die Alliierte Hohe Kommission hat, "nach geringfügigen Änderungen", Prof. Erhards Entwurf zugestimmt, wonach 20 v. H. sämtlicher in freien Dollar (nicht Verrechnungsdollar also) anfallenden Ausfuhrerlöse freigegeben werden.

Was heißt "Freigabe"? Nun, wenn ein Exporteur für eine Million $ nach den USA ausgeführt hat, dann hat er davon 800 000 $ dem deutschen Devisen Verwalter, der Bank deutscher Länder, abzuführen. Der Rest, 200 000 $, steht in Dollarform zu seiner Verfügung. Er darf damit nicht Waren importieren, die auf der Verbotsliste stehen, er darf nicht Kapitalschulden bedienen, nicht (à la Kapitalflucht) Kapitalien im Ausland ansammeln, nicht Vergnügungsreisen mit diesen Beträgen machen. Umgekehrt: der Berechtigte darf die Dollar zum Ausbau seines Auslandsnetzes ausnützen, darf mit Mitteln aus dem Bonus durch beauftragte Importeure Waren einführen – Waren, die auch heute noch sehr gefragt sind, in denen ein Geschäft interessant zu sein verspricht –, doch ist die Übertragung des Bonus ausgeschlossen (nur die Hersteller und Unterlieferanten der exportierten Waren dürfen beteiligt werden).

Das gibt uns zu denken: Übertragung ausgeschlossen, aber Beauftragung von Importeuren möglich. Verständlich, daß die Währungsbank eine Kontrolle ausüben will und muß, sich folglich an den leicht zu "erfassenden" Dollarverdiener hält. Aber gibt sich der beauftragte Importeur mit seiner Kommissionärsrolle zufrieden? Was sagt das Finanzamt, die Devisenstelle zu Provisionen, Prämien, Risikoquoten? Die Erfahrungen aus dem früheren Bonus sind nicht die besten. Was hier genehmigt wurde, ist ein Anreiz mit Hemmungen "in sich". W-n.