Gerade in diesen Tagen wurde in der New Yorker Presse eine neue Robinsonade gemeldet, die allerdings den Keim der Zersetzung schon von Anfang an in sich trägt, da sich zu ihr sechs Männer und eine Frau zusammengetan haben. Sie haben an Bord des kleinen Schoners "Blue Goose" den Hafen von New York verlassen und wollen "irgendwo auf den Windwardinseln" ihr Paradies begründen. Diese Robinsone haben, ihren Aussagen zufolge, ihren Plan weniger aus Enttäuschung über die Zivilisation, sondern aus Kriegsangst gefaßt. Ob allerdings ihre Insel, wenn sie eine finden, geeignet sein wird, einen absoluten Schutz gegen Kriegsgefahr bieten kann, ist eine andere Frage. Die Welt ist klein geworden und die einsamste Insel kann über Nacht als Stützpunkt Bedeutung erlangen ...

Die einzige Flucht vor Zivilisation und Krieg, die wirklich sicher ist, hat vor einigen Tagen eine 43jährige Lehrerin aus Großhansdorf bei Hamburg unternommen. Sie verübte Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas und hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem sie als Motiv Angst vor einem dritten Weltkrieg angab: das erste europäische Opfer des Zusammenstoßes in Korea. In welcher Gemütsverfassung muß sich diese Frau befunden haben! Der Selbstmord aus Angst vor dem Tode widerlegt sich doch wohl aus sich selbst. Und außerdem, das wäre doch wohl der geringste Einwand, ist dazu – immer noch Zeit.

Werner Böckmann