H. L. Salzburg, im Juli

Über 660 Gasthöfe, Hotels und Pensionen im Lande Salzburg, und einige Tausend im übrigen Westösterreich bereiten sich für die Fremdenverkehrssaison 1950 vor. Außer den sogenannten "Nobelhotels", die’ihre Pforten hauptsächlich reichen Amerikanern und sonstigen anspruchsvollen Devisenausländern öffnen, erhoffen sich in diesem Sommer auch die mittleren und kleineren Fremdenverkehrsbetriebe ein gutes Geschäft. Zunächst rechnet man mit einem zwar noch nicht großen, aber doch ins Gewicht fallenden Touristenzustrom aus Deutschland. Außerdem erwarten die westösterreichischen Fremdenverkehrsbetriebe den üblichen Zustrom von "Sommerfrischlern" aus dem nichtalpinen Inland, vor allem natürlich aus Wien.

Aber es gibt Leute, denen die Normalisierung der westösterreichischen Fremdenverkehrswirtschaft nicht gefällt. Eines Tages erschien in der Wiener Tageszeitung "Neues Österreich", die ein überparteiliches, den beiden Regierungsparteien und der Kommunistischen Partei gemeinsam gehörendes Organ ist (Relikt der Dreiparteien-Koalition), ein Artikel; er kündigte an, die Sommerfrischen Tirols, Salzburgs und Kärntens seien bereits "so, gut wie ausverkauft". Es hätte für die Wiener daher gar keinen Sinn, sich noch um Urlaubsquartiere in Westösterreich zu kümmern, die Reiselustigen sollten sich lieber gleich an die ostösterreichischen Fremdenverkehrsorte wenden (um nicht unnützes Porto zu vertun), und darüber hinaus gäbe es auch die Möglichkeit, im Sommer nach Jugoslawien zu reisen. Dort könnten die Wiener billig ihren Urlaub verbringen, während die Preise in Westösterreich (wie es in einem weiteren Artikel dieser Zeitung hieß) "rein nach dem Standard der ausländischen Touristen kalkuliert" seien. Die westösterreichischen Gastwirte und Hoteliers hätten gar kein Interesse an den nicht zahlungskräftigen Inländern, sie hätten durch ihre Preispolitik geradezu einen "Eisernen Vorhang" an der Ennsbrücke herunterfallen lassen ...

Aber nicht nur von Wien aus wurden gegen Salzburg, Tirol und Kärnten unkorrekte Konkurrenzattacken geritten, sondern auch aus Österreichs nördlichem Nachbarland Bayern. Ein süddeutsches Blatt sandte einen Berichter nach Österreich, der den ahnungslosen Deutschen die schrecklichsten Dinge über die österreichischen Preise zu erzählen wußte. Er schrieb, daß ein Ei in Österreich 2 Schilling koste (in Wirklichkeit! 75 Groschen), ein Menü in einem bescheidenen Gasthaus 10 Schilling (in Wirklichkeit 6), in einem mittelmäßigen 20 bis 25 (in Wirklichkeit 8 bis höchstens 10).

Derartige "Sonderberichte" hinterlassen nicht gerade den Eindruck einer einwandfreien Objektivität. Zum Glück konnte noch keiner dieser "Sonderberichterstatter" feststellen, daß etwa die Seen des Salzkammergutes ausgetrocknet seien.