Seit Jahrzehnten ist es üblich, die Frage der Wohnraumversorgung einseitig "sozial" zu sehen. Diese Betrachtung datiert aus einer Zeit, da die Sozialpolitik nur der Blinddarm der Wirtschaftspolitik, der theoretische Nachweis der bestehenden Zusammenhänge noch unvollkommen war. Es ist jetzt anders, wie das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministerium zum Thema "Mietpreise" beweist. Es sagt, die Wohnungswirtschaft habe gegenwärtig eine von der übrigen Wirtschaft abweichende Struktur, gefährde somit die einheitliche Wirtschaftsordnung, weil die Gefahr der Infiltration interventionistischer Maßnahmen aus dem Baubereich in andere Branchen nicht von der Hand zu weisen sei. Der bisher geübte Grundsatz der Niedrighaltung der Mieten um jeden Preis durch Mietstopp und Bausubvention führe immer mehr zu einer Fälschung des Produktionskostenbildes. Wörtlich: "Die gegenwärtige Subventionspolitik in der Wohnungswirtschaft wirkt sich aus als Manipulierung des Reallohnstandes unter künstlichem Niederhalten der Nominallöhne." – Die Gewerkschaften haben, was eigentlich erstaunlich ist, an diesem Tatbestand nie Anstoß genommen.

Die Schlußfolgerung des Beirats ist: eine Lohnerhöhung zum Zweck der Angleichung der Mieten an die gestiegenen Bewirtschaftungskosten des Hausbesitzes wäre richtig.

Gerade die Mietangleichung der Altbauten sieht der wissenschaftliche Beirat als erforderlich an, damit nicht, mangels Rentabilität, billige Altbauwohnungen verfallen und als Ersatz – unnötigerweise – teure Neubauwohnungen erstellt werden müssen. Auch die Wohnungen des sozialen Bauprogramms seien zu teuer (für die unbemittelten Schichten). Daher meint der wissenschaftliche Beirat, wie auch zahlreiche Praktiker, daß eine Umsetzung der Mieter entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit stattfinden solle. Kommt diese Konzeption zum Zuge, dann bewirkt die "List der Idee", daß der private Hausbesitz mit seinen Altwohnungen auch weiterhin (und verstärkt) das Risiko der Aufnahme wirtschaftlich schwacher Mieter zu tragen hat. Den seit 1920 staatlich geförderten gemeinwirtschaftlichen Wohnungsunternehmen dagegen, deren Wohnungsbestand überwiegend neueren Datums ist, bliebe dann vorwiegend die Versorgung der sicheren Mietezahler aus mittleren Einkommensschichten. Zum Ausgleich, nach der Angleichung der Mieten an die Kosten über den Markt also, schlägt das Gutachten vor, Mietzuschüsse für Altbauwohnungen, soweit erforderlich, zu gewähren. Diese Methode wird ferner an Stelle der Baukostensubventionierung auch für Neubauten empfohlen, da nach Lage der Dinge vorläufig sozialpolitische Ordnungsmaßnahmen im Bereich der Wohnwirtschaft nicht zu vermeiden sind. Somit: schrittweise Einordnung in die Marktwirtschaft.

Gleichzeitig sind die Anpassung der Mietpreise und die Gewährung von Mietzuschüssen unentbehrliche Bestandteile einer Wirtschafts- und Wohnungspolitik, die die Kapitalbildung zum Zwecke der Anlage im Wohnungsbau anreizen will. Doch der riesige Wohnungsbedarf zwingt zu freiwilligem Zwecksparen zugunsten des Wohnungsbaus in einem Umfang, der weit über das gegenwärtige Maß hinausgeht. Auf dieser Überlegung fußend, setzen sich die Gutachter für steuerliche Vergünstigungen und Zinszuschüsse für den durch Fremdfinanzierung zu beschaffenden Betrag ein. Das Risiko des freien und steuerbegünstigten Wohnungsbaus sei infolge der hohen Baukosten (und – im Fall des steuerbegünstigten Wohnungsbaus – der auf 1,50 DM begrenzten Kostenmiete) zu groß, um allein vom Bauherrn getragen werden zu können. Die Bauwirtschaft bedürfe aber des frei finanzierten steuerbegünstigten Wohnungsbaus. Aus Gründen der konjunkturpolitischen Belegung müßten deshalb über die Bestimmungen des ersten Wohnungsbaugesetzes bzw. der Novelle zum Einkommensteuergesetz hinaus Hilfen gegeben werden. Asta Hampe