Oskar Maria Graf Hat sein starkes Buch "Die Eroberung der Welt" noch während des Krieges in Amerika geschrieben, ihm aber danach die vorliegende neue und endgültige Fassung gegeben (Verlag Kurt Desch in München). Er nennt es den Roman einer Zukunft "einer", nicht "der" –, widmet es den Nachkommenden und präsentiert als, sozusagen, legitimierende Einführung, ein paar Zeilen Albert Einsteins.

Er packt mit Leidenschaft und Vehemenz einen ungeheuren Stoff an: Der dritte Weltkrieg, der Atom-, Bakterien- und Vereisungskrieg, ist überstanden. Aber nur von etwa einem Zehntel der heute lebenden Menschheit, alles übrige ist vernichtet. Geblieben sind ein paar zweck- und sinnlos gewordene Armeen, riesige Haufen streunender Nomaden auf der Suche nach Nahrung und der nackte Selbsterhaltungstrieb, während solche Dinge, wie Liebe, Familie usw., "ins Zufällige geschoben worden sind ..." Nun, Graf meistert das Grauen, radiert die Schwierigkeiten zum großen Teil in ein paar Kapiteln aus und läßt dann – man glaubt zuerst, sich verlesen zu haben – aus den überlebenden Delegierten der einstigen "Vereinten Nationen" einen Hohen Rat erstehen, der nach streng parlamentarisch-sozialistischwestdemokratischen Spielregeln die neue Welt zu regieren beginnt. Was die Überbleibsel der nationalistischen und sonstigen überlebten Kollektive – die heutige "Ostdemokratie" hat sich längst im allgemeinen Nebel aufgelöst – so abscheulich finden, daß sie unter Anwendung von Waffengewalt (schon wieder!) und eines neuen technischen Patentisolierungsmittels erst einmal zu Räson gebracht werden müssen, ehe allgemeine Zufriedenheit das Buch beschließt. Dassel