Auf dem guten Weg, dem Film zu geben, was des Filmes ist, und in die Bereiche der vierten Dimension vorzustoßen, zeigt der erste Film des österreichischen Regisseurs Curd Jürgens "Prämien auf den Tod" (in zwölf Hamburger Theatern) gute Ansätze. Er hat die großen französischen und englischen Vorbilder auf dem Gebiet der gefilmten Tiefenpsychologie genau studiert und in der armseligen möblierten Bude des heruntergekommenen Versicherungsagenten mit dem am Fenster vorbeifahrenden Aufzug die Atmosphäre des unvergeßlichen Films "Spiel der Erinnerung" (Carnet. de Bal) von Duvivier in einer Szene sogar fast genau kopiert. Aber er hat zu wenig Eigenes dazugetan. So überzeugend die ersten Bilder einer heißen, südländischen, Hafenstadt (Triest) sind, die das merkwürdige Geschehen einleiten, so wenig plausibel ist schon vom Drehbuch (Kurt Heuser, Curd Jürgens) her der simple Schluß, an dem sich eine imaginäre, nur ihrem Erfinder (und den Zuschauern) sichtbare Figur ganz unvermittelt als existent erweist. Die Musik von Willi Schmidt-Gentner, die das Übersinnliche, Zwielichtige der Handlung mit den üblichen monotonen "Sphärenklängen" untermalt, überrascht an einigen Stellen durch die erregende Wiedergabe der nächtlichen Geräusche in einem südlichen Hafen.

Besondere Anziehungskraft hatte der Film in Hamburg und in anderen westdeutschen Städten durch das erste Wiedererscheinen von Werner Krauß, der als verkrachter Schiffsarzt schon beim ersten flüchtigen Auftritt so intensiv da ist, daß er den Rahmen seiner Nebenrolle fast sprengt. Doch gerät ihm in seinem eigenwilligen Hang zur Überpointierung diese Figur zu stark, ins Theatralische auf Kosten der künstlerischen Aussage und echten Erschütterung. Siegfried Breuer im doppelten Spiel eines großen Lebemannes und eines kleinen Agenten, unsympathisch wie immer, aber weniger konventionell als sonst, beherrscht mit Routine und Verve eine umfassende Skala nuancenreicher Zwischentöne von menschlicher Leidenschaft, Hemmungslosigkeit, Bewußtseinsstörung zur Verzweiflung und Angst. Das letzte Bild, in dem sich die Gefängnisgittertüren hinter einem Gestrauchelten schließen, dem die schöne Geliebte wehmutsvoll nachschaut, ist allerdings nur noch großer Kientopp. E. M.