Kürzlich sagten wir: "Man sollte tauschen!" ("Die Zeit" vom 8. Juni 1950). Westdeutschland sollte in Handelsverträgen, dollarfrei also, Orienttabak kaufen und nach den USA weitergeben, damit einerseits die dort gewünschte leichtere Zigarette hergestellt werden könne und andererseits die verdienten Dollar zur Versorgung des westdeutschen Marktes mit Virginia-Tabaken, die nun einmal der Raucher will, dienen. So würde allen Beteiligten geholfen: der Orient hätte Absatz; der Amerikaner hätte seine leichtere Zigarette, ohne daß der Virginatabakanbau Einbußen erlitte, weil sich ihm ja der deutsche Markt erschlösse; die Deutschen könnten ohne devisenpolitische Sorgen das rauchen, was sie mögen.

Der Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden – zum Teil. Das Handelsvertragsbüro der deutschen Industrie will darüber nachdenken, nicht anders die offiziellen Stellen. In den USA stellen große Zigarettenfirmen entsprechende Kalkulationen an. Nur der Orient will nicht. Vielleicht glaubt man dort, der Orienttabak sei der einzige, der rauchbar wäre. Wie dem auch sei, die Griechen sagen, die Dollar aus dem Tabakexport könnten sie ohne Umwege verdienen – leider nicht, meinen wir. Es käme nur darauf an, den künstlichen Virginiamarkt in Deutschland zu beseitigen – wie, fragen wir. Woher der Virginiageschmack bei uns kommt, ob aus dem Schwarzmarkt oder aus der Nachkriegsnervosität, ist gleichgültig: der Wille des Rauchers zur "american blend" ist da. Marshall-Dollars – sie werden weniger – zum Tabakbezug sind ebenfalls (noch) da. Andere Dollar werden mit dem empfohlenen Dreiecksgeschäft verdient werden können oder mit Hilfe des $-Drive oder (zum Teil) des Europa-Clearing.

Nun glaubt Griechenland einen anderen Trumpf in der Hand zu haben. Nachdem am Tabak die Handelsvertragsverhandlungen platzten, sagt Athen, daß Deutschland nur dann am Neubau Griechenlands beteiligt werden könne (mit Exporten aller Art), wenn man in Bonn die Tabakforderungen akzeptiere. Es sei ein großes Geschäft, dieser Wiederaufbau. Aus politischen wie wirtschaftlichen Gründen interessiert, stellten über ERP die USA hierfür blanke Dollar zur Verfügung. Wenn also Deutschland Interesse am Export nach Griechenland habe, dann könne es dort gute Geschäfte (40–80 Mill. $?) machen, seine traditionelle Vorherrschaft wiedergewinnen. Verlockend! Doch was nützt dieses Angebot, wenn die Gegenleistung, der griechische Tabak nämlich, in Deutschland nicht untergebracht werden kann? Die Griechen meinen, freie Tabakwahl in einem armen Land, wie der westdeutsche Bund es sei, wäre Luxus. Wir glauben, wenn schon "König Kunde" nach langen Jahren der Vergewaltigung wieder regieren soll, dann auch im Bereich des blauen Dunstes. W-n