Man konnte es nicht gerade als rhetorische Artistik bezeichnen, was die landsmannschaftlichen Bauernführer am vergangenen Wochenende im Zirkusbau von Köln vorführten. Derb und hart waren die Worte, gereizt die Atmosphäre, in der Pfuirufe und immer wieder Gelächter das Nennen von Ministernamen begleitete. Nur der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Reichsminister a. D. Dr. Hermes, sprach, wenn auch zuweilen drohend, so doch taktvoll und ohne Demagogie. Fast allen Spitzenvertretern der Landesverbände aber muß gesagt werden, daß sie in recht demagogischer Weise rhetorischen Bauernfang betrieben haben, so daß auch die ernsthaftesten Argumente über die Notlage der Landwirtschaft wieder verwischt und entkräftet wurden. Unter dem blauen Himmelszelt des Zirkusbaues verdichteten sich die phraseologischen Schwaden von Katastrophe und Verzweiflung und vom Verschleudern der Ernte so sehr, daß die natürlichen Umrisse der Wirtschaftslage kaum noch zu erkennen waren. Man tat und forderte, als ob wir keine zwei Kriege verloren und keine 4,5 Milliarden Besatzungskosten aufzubringen hätten, als ob es keine Vertriebenen gäbe. Man vergaß, daß gute Ernten uns gesegnet haben und daß Bundesernährungsminister Prof. Dr. Niklas auf der Genossenschaftstagung in Oldenburg vor kurzem, ohne Widerspruch zu ernten, sagte: "Wenn es weiterhin so gut geht wie jetzt, dann kann die deutsche Landwirtschaft dem Herrgott danken!" R.