Von Richard Tüngel

Wie eigentlich der Frieden aussehen könnte, der den koreanischen Konflikt abschließen soll, damit haben sich die Mitglieder des Sicherheitsrates nicht befaßt, als sie entschlösse und unerwartet schnell dafür stimmten, militärische Sanktionen gegen den nordkoreanischen Angreifer zu verhängen. Das Eingreifen in Korea, so betont Präsident Truman immer wieder, stellt keinen Krieg dar, in den die Vereinigten Staaten verwickelt sind, sondern eine Polizeiaktion, die im Auftrage der UNO unter amerikanischem Oberbefehl durchgeführt wird. Nur hieraus also dürfte man auf die Friedensziele schließen. Sie könnten lauten: Wiederherstellung des bisherigen Zustandes, Bestrafung des Angreifers und Sicherung gegen eine Wiederholung der Aggression. Ein solcher Friede – dies ergibt sich aus dem Charakter einer Polizeiaktion – müßte ein Diktatfriede und könnte niemals ein Verhandlungsfriede sein.

Dennoch hat man sehr bald nach Ausbruch des Konfliktes mit Verhandlungen über den Frieden begonnen, allerdings bezeichnenderweise nicht mit Nordkorea, sondern mit Moskau. Zwei Mitglieder der UNO, Großbritannien und Indien, haben ihre guten Dienste angeboten, um eine Beilegung des Konfliktes auszuhandeln. Amerikas Außenminister Acheson hat hierzu eine Erklärung abgeben lassen, mit der er die amerikanischen Mindestbedingungen für die Lösung des Konfliktes bekanntgab: Kampfeinstellung seitens der Kommunisten und Zurücknahme ihrer Truppen hinter den 38. Breitengrad. Grundsätzlich müsse zudem die Lösung der Krise innerhalb der UNO erfolgen und nicht durch Verhandlungen zwischen Washington und Moskau.

Die Sowjetunion jedoch wünscht an den Verhandlungen in der UNO so lange nicht teilzunehmen, als der rotchinesischen Regierung der Sitz nicht zugesprochen wird, den bis heute die Nationalchinesen innehaben. Diese Frage mit der Polizeiaktion gegen Nordkorea zu verknüpfen, weigern sich aber nicht nur Amerika und England, sondern auch der Generalsekretär der UNO, Trygve Lie. Dies nämlich ist die Intention des Sicherheitsrates: Es soll auf keine Weise zugestanden werden, daß eine Aggression sich auch nur in geringster Hinsicht lohnen könnte. So wird denn – was in ihrem Wesen liegt – die Polizeiaktion der UNO so lange fortgesetzt werden müssen, bis der Schuldige gezüchtigt ist.

Eine vorzeitige Lösung des Konfliktes könnte sich nur ergeben, wenn Moskau bereit wäre, das Problem der Anerkennung Rotchinas nicht mit der koreanischen Frage zu verknüpfen, und wenn man im Kreml gleichzeitig einen Druck auf die nordkoreanische Regierung ausübte, ihre Truppen aus Südkorea zurückzuziehen. Aber hat der Kreml eigentlich irgendeine Veranlassung, dem doch offenbar von ihm befohlenen Angriff der Nordkoreaner in aller Öffentlichkeit seine Unterstützung zu entziehen?

Zweifellos ist nicht alles so gegangen, wie Moskau es sich gedacht hatte. Die Entschlossenheit, mit der die Amerikaner, schlecht vorbereitet und mit gefährlicher Unterlegenheit, in den Krieg gegangen sind, hat man im Politbüro doch wohl nicht vorausgesehen. Und ist hier nicht eine Wendung eingetreten, die den Sowjetrussen keineswegs angenehm sein kann? Hatte man nämlich in den Vereinigten Staaten bisher geglaubt, das gewaltige Kriegspotential der USA zusammen mit dem Besitz an Atombomben genüge, um Moskau von Angriffen zurückzuhalten, so sind nunmehr viele Anzeichen vorhanden, daß man in Amerika dazu übergeht, in kriegsmäßiger Form zu rüsten. Damit aber könnte der Koreakonflikt zu einem weltpolitischen Wendepunkt ersten Ranges werden. Denn sollten die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion in ein Wettrüsten eintreten, dann werden sie dieses Wettrüsten zweifellos in wenigen Jahren gewinnen: Sie können ungeheure Kapazitäten auf die Rüstung umstellen, während die Sowjetunion heute schon ihr sehr viel geringeres Potential bis zur-Grenze des Möglichen ausnutzt.

Daß es den Amerikanern diesmal wirklich ernst ist und daß sie entschlossen sind, die Rüstung nicht nur auf den Koreakonflikt zu beschränken, dürfte aus einigen Maßnahmen hervorgehen, die inzwischen getroffen wurden. Die gesamte Kriegswirtschaft ist einem Obersten Chef des Mobilisierungs-Programms unterstellt worden, dem früheren Staatssekretär der Luftwaffe Symington. Er hat sogleich angeordnet, daß die Mehrzahl der wehrmachteigenen Rüstungsfabriken, die im Kriege gebaut und später stillgelegt worden sind, wieder in Betrieb genommen werden.