Es war einmal, so berichtet der Chronist, eine Zeitung, die hieß Freies Volk und führte, von aller Welt wenig beachtet, in Düsseldorf als Zentralorgan der Kommunistischen Partei ein Schattendasein im Blätterwald der Bundesrepublik. Um ihre Finanzen sah es gewiß nicht gerade rosig aus. Aber ach, wie schnell ändert sich doch manches über Nacht! In Korea wird Probekrieg geführt, an Jugoslawiens Grenzen und in die Sowjetzone rollten rote Truppen, und die westlichen Alliierten lehnten es ab, Deutschland eine Sicherheitsgarantie zu geben. In der letzten Wochenendausgabe des "Freien Volks" aber fand sich eine wahre Anzeigenplantage großräumiger Industrie-Reklamen namhafter Firmen ...

Nun, Düsseldorf steht nicht allein; es steht für das ganze Bundesgebiet. Und mag man auch den dortigen Kommunal- und Landesbehörden ruhig ein gerüttelt Maß von Geruhsamkeit zugute halten, da sie immer noch stadteigene Räume, ja sogar den Landtag von Nordrhein-Westfalen an getarnte kommunistische Organisationen verpachten, so wird man dieses Argument bei jenen Geschäftsleuten, die sich im Freien Volk so offensichtlich in aller Deutlichkeit als Finanziers der KPD zu plakatieren wünschen, nicht ins Feld führen können. Was sie wollen, ist klar. Sie möchten wie so mancher Oberstudiendirektor, Oberstaatsanwalt, Universitäts-Professor und Oberbürgermeister nicht mehr eine weiße Weste, sie möchten möglichst schnell eine rote Weste bekommen. Rlt.