120 000 Deutsche dienen nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes unter fremden Fahnen. Die nachfolgenden Aufzeichnungen stammen aus der Feder eines jungen Deutschen, der, wie so viele andere, im Deutschland der Nachkriegszeit keinen festen Boden unter den Füßen gewinnen konnte. Er ließ sich von der Fremdenlegion anwerben, wurde in Afrika ausgebildet und dann in den Dschungelkrieg nach Indochina geschickt, wo er nach wenigen Wochen fiel. Geblieben sind diese Briefe, an ein Mädchen in Deutschland geschrieben, aus deren einfachen Sätzen die Tragik eines Entwurzelten unserer Zeit spricht.

Offenburg, 29. Mai 1949

Meine plötzliche Abreise wird einiges Erstaunen erregt haben, es mußte aber alles sehr schnell gehen, sonst hätte ich den Anschluß verpaßt. Hoffentlich habe ich unterwegs kein Pech, es kann passieren, daß man wieder zurückgeschickt wird. Doch ich vertraue auf meinen Glücksstern. Ich habe alles auf eine Kare gesetzt ...

Marseille, 5. Juni

Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie froh ich war, als ich Deine Post erhielt. Es war der erste Brief aus der Heimat. Wenn ich ehrlich sein soll, war auch ein fader Beigeschmack in aller Freude. Denn schon seit meiner Abreise warte ich vergebens auf Nachricht von zu Hause. Nun, auch das muß ertragen werden. Ich var in den letzten Jahren schon immer allein und kann mir gut vorstellen, daß viele Menschen, die mich kannten, jetzt über mich die Nase rümpfen werden. Meinetwegen. Es gehörte Mut zu meinem Schritt, Mut und Gleichgültigkeit. – Morgen geht es nach Afrika, man sagt, zunächst nach Oran und dann weiter nach Sidi-bel-Abbés, ein paar Eisenbahnstunden südöstlich in die Wüste hinein. Nach, der Ausbildung dort werden wir nach Indochina gebracht. Die Zeit wird eine Prüfung sein. Sollte es mich treffen, so war meine Stunde bestimmt.

Mancher in Deutschland macht sich ein falsches Bild über die Legion. In einem haben sie recht: Es ist hart, und Gefängnisstrafen bis zu fünfzehn Tagen sind an der Tagesordnung. Ich wurde bisher noch verschont. Man muß sich als normaler Mensch benehmen, jedoch durch und durch Soldat sein, das heißt –: gehorchen.

Die Straßen hier sind überfüllt. Passanten, Autoverkehr und Fischweiber, die sich noch eben gegenseitig mit den unflätigsten Ausdrücken bedenken und im nächsten Augenblick überfließend vor Höflichkeit ihre Waren anbieten. Am Abend haben es die Frauen sehr eilig, sich einem an den Arm zu hängen und süße Sachen zu flüstern. Aber wie können sie schimpfen, wenn sie merken, daß man kein Geld hat!