Von unserem Berliner Korrespondenten

K. W. Berlin, im Juli

Gegenwärtig finden in Berlin neue Verhandlungen über den Interzonenhandel statt. Seit Anfang Juli gibt es im Verkehr zwischen West und Ost, da das alte Abkommen nicht erneuert wurde, einen illegalen Zustand. Diese illegale Situation wird von vielen privaten Seiten des Bundesgebiets zu Geschäften mit offiziellen Stellen der Sowjetzone benutzt, und jedes dieser Geschäfte schädigt die politische Situation Berlins, Ostdeutschlands und im weiteren Sinne natürlich auch der Bundesrepublik schwer. An sich will Berlin ebenso wie die Westalliierten den Interzonenhandel zwischen Westen und Osten durchaus, und deshalb beteiligen sich beide auch an den jetzt laufenden Verhandlungen erheblich, aber sie stellen die Wichtigkeit dieses wirtschaftlichen Austausches unter das Primat der Politik. Der Interzonenhandel zwischen den beiden deutschen Gebieten kann bei der gegenwärtigen politischen Trennung unter keinen Umständen die üblichen liberalen Geschäftswege von Mann zu Mann gehen, sondern muß unter Kontrolle gehalten werden. Er braucht diese Kontrolle allein schon, damit die Verkehrswege gesichert werden. Helmstedt und Marienborn dürfen nicht länger eine Möglichkeit für östliche Willkür darstellen. Die Kontrolle soll, dahin zielen die Vorschläge, am Ausgangspunkt vorgenommen werden. Gerade in den letzten Tagen gefiel es der Volkspolizei und den sowjetischen Grenzorganen wieder, den Paketverkehr zwischen dem Westen und Berlin zu behindern. Zu den Elementen eines neuen Interzonenabkommens muß daher nach Berliner Ansicht die Ausschaltung dieser immer wieder auftretenden Stockungen und Hemmungen an der Zonengrenze gehören. Solche Vereinbarungen aber lassen sich erst dann realisieren, wenn der Interzonenverkehr auf wirtschaftlichem Gebiet ohne Schleichwege vor sich geht.

Es ist – nicht erst seit dem Fall Gereke – bekannt, daß die offiziellen Stellen der Sowjetzone – und es gibt nur solche und keine privaten – mit Fleiß illegale Wege der Profilsuche für den Osten suchen. Nicht nur, um in den Besitz von Westmark zu kommen, sondern auch, um sich der Rohstoffe und Güter zu versichern, die sie dringend brauchen. Wie rücksichtslos aber die östlichen und westlichen Partner bei diesen Geschäften verfahren, zeigt unter anderem, daß auf diesen Schleichwegen das Gemüse der Sowjetzone der hungernden Bevölkerung entzogen und – wegen der Kursrelation – zu sehr geringen Preisen von westdeutschen Händlern aufgekauft wird!

Der naive Hang großer Teile der westdeutschen Wirtschaft, "sich um Politik nicht zu kümmern" und Handel mit dem Osten auf eigene Faust zu treiben, ist in Wirklichkeit sehr intensive Politik – aber solche, die die Sache der Kommunisten betreibt. Deshalb, ist es nötig, durch eine interzonale Vereinbarung einen Kontrollumschlagplatz zu schaffen, für den am besten Berlin geeignet wäre. Nur so könnte ein wirtschaftlicher Austausch ermöglicht werden, der dem Bund nicht ständig politische Substanz raubt.