Präsident Truman hat in seiner "Botschaft über Korea", in der er die Unterstützung Südkoreas durch die Wehrmacht der Vereinigten Staaten und den amerikanischen Schutz über Formosa bekanntgab, gleichzeitig angeordnet, "daß die Streitkräfte der USA auf den Philippinen verstärkt werden und daß die Militärhilfe für die Regierung in Manila beschleunigt wird." Die Regierung in Washington hält also die Lage in der früheren amerikanischen Kolonie – am 4. Juli 1946 wurde die 48jährige Herrschaft der Amerikaner durch staatliche Selbständigkeit abgelöst – offenbar nicht für so gefestigt, als daß sie die durch vertragsmäßige Überlassung von Luft- und Marinestützpunkten verstärkte Verteidigung der Philippinen als gesichert betrachten könnte.

Washington macht sich Sorgen um die Philippinen und hat allen Grund dazu. Zwar ist es nicht sosehr ein Angriff von außen, den man befürchten müßte, als vielmehr die bedrohliche Entwicklung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage der Philippinen. Schon nähern sich in Manila die goldenen Zeiten ihrem Ende, da die Dollarflut aus den Vereinigten Staaten in Form von Zahlungen für Wehrmacht und Kriegsteilnehmer, Kriegsschäden und Wiedergutmachungen ins Land strömte, Zahlungen die bis zum 30. Juni 1950 eine Höhe von 1,7 Md. Dollar erreicht hatten. Das Geld ist vertan, und noch immer sind die nicht genug besiegten "Huks" im Lande, Vorboten des Kommunismus ...

Der zügellose Wunsch nach einem bequemen Leben ist es, der die Filipinos der bürgerlichen Kreise in den Nachkriegsjahren dazu verführt hat, weit über ihre Verhältnisse zu leben. Und die Regierung ging bei alledem mit schlechtem Beispiel voran, indem sie im Staatshaushalt doppelt soviel ausgab, wie sie einnahm. Das gleiche ungesunde Verhältnis herrschte auch im Außenhandel. Auf diese Weise verminderten sich die Dollarreserven in einem so erschreckenden Maße, daß die Regierung in Manila sich genötigt sah, Devisenbewirtschaftung und drastische Einfuhrbeschränkungen einzuführen. Die unmittelbaren Folgen dieser Maßnahmen waren Preiserhöhungen, die noch dadurch vergrößert wurden, daß der Wert des Peso auf dem Schwarzen Markt ständig fiel. Es ist verständlich, daß die Amerikaner über diese Entwicklung beunruhigt sind und daß sie befürchten, die hohen Preise, die niedrigen Löhne, die Arbeitslosigkeit und die überfälligen Gehälter könnten eine Unzufriedenheit hervorrufen, die dem Kommunismus günstig ist.

Natürlich kritisiert das Volk der Filipinos die Regierung heftig, dieses Volk, das gegenüber den Amerikanern so mißtrauisch ist wie gegenüber den Europäern. Das Mißtrauen fördert die Schweigsamkeit des Volkes, während die Regierung redet. Aber die Schweigsamkeit ist nicht Philosophie. Wenn man fragt, wieviel "Huks" noch im Lande seien, wird mit Achselzucken geantwortet, aber jeder hat einen Verwandten oder Bekannten, der im "Untergrund" der "Huks" lebt. Derweil hat es die Regierung nicht leicht, glaubwürdig dem amerikanischen Verdacht entgegenzutreten, daß der Regierungsapparat Manilas mit Korruption und Erpressung arbeite. Zur Untersuchung dieser Beschuldigungen, die von Präsident Quirino und Außenminister Romulo als stark übertrieben bezeichnet wurden, ist ein besonderer "Ausschuß für Redlichkeit" unter dem Vorsitz des allgemein als integer angesehenen Senators Dr. Jorge Bocobe eingesetzt worden.

Die starke Verstimmung in politischen Kreisen der USA über die Mißwirtschaft auf den Philippinen und die Verärgerung der von der Importdrosselung betroffenen amerikanischen Exporteure ließen in den Vereinigten Staaten sogar Stimmen laut werden, die eine Intervention, ja sogar eine Rückführung der Philippinen in den früheren kolonialen Zustand forderten. Derartige Äußerungen hat man in Manila freilich bitter ernst genommen. Dies geht schon daraus hervor, daß Präsident Quirino in einer Rede am 14. Juni von "Fremden" sprach, "die sich als Mentoren in unserem politischen und wirtschaftlichen Leben etablieren und versuchen, von unserem Land Besitz zu ergreifen unter dem Vorwand, sie wollten verhindern, daß es in die Hände der Kommunisten falle ..." – Am folgenden Tage schon erschien dann in der amerikanischen Presse ein vom philippinischen Außenminister Carlos P. Romulo verfaßter und signierter Aufsatz über die Lage auf den Philippinen, in dem es abschließend hieß: "Die Anregung, die von einigen unserer sogenannten Freunde gemacht wurde, die USA sollten die Philippinen erneut übernehmen, wird von unserem Volk als unamerikanisch betrachtet. Wenn unsere Freunde in Amerika uns wirklich helfen wollen, so müssen sie es unter gerechten und ehrenhaften Bedingungen tun, damit das Volk der Philippinen das bleiben kann, was es heute ist: Amerikas bester und loyalster Freund in Asien." Die Kontroverse aber hatte schließlich doch zur Folge, daß Präsident Quirino seinen Widerstand gegen die Zulassung einer amerikanischen Wirtschaftskommission zum Studium der Verhältnisse auf den Philippinen aufgab, nachdem Washington vorher erklärt hatte, daß es die Aufgabe der Kommission sei, zu prüfen, was die USA tun müßten, der notleidenden Wirtschaft der Philippinen wirksam zu helfen. Die von dem früheren Unterstaatssekretär im Finanzministerium Daniel W. Bell geführte Kommission von 20 Experten traf auf dem Luftwege in Manila ein, wo sie am 12. Juli ihre Arbeit aufnahm.

Wieder ist also von den "Huks" die Rede und davon, wie man sie wirksam bekämpfen könne. Die "Huks" aber sind das Barometer für die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit ihrer Regierung. Diese Unzufriedenheit wird ohne eine durchgreifende Agrarreform nicht zu bannen sein, und wirklich befaßt sich ein Teil der amerikanischen Kommission mit solchen Reformplänen, da anders der kommunistische Herd auf Luzon, der seine Nahrung aus der in den erbärmlichsten Verhältnissen lebenden Landbevölkerung erhält, nicht endgültig ausgelöscht werden kann. Hier auf Luzon regierten die "Huks" –: die Waffenträger jener revolutionären Bewegung, die einst als "Volksarmee gegen Japan" entstand und nach dem Kriege – verstärkt durch Deserteure und Asoziale – unter ihrem fälschlicherweise totgesagten Führer Luis Taruk in Zentral-Luzon einen eigenen "Staat" errichtete. Diese "Hukbalahaps" – eine Zusammenziehung der Worte für "Volksarmee gegen Japan" in der Tagalog-Sprache – sind in den letzten Monaten durch den Einsatz von Heeresverbänden unter Führung des Generalstabschefs Quesada freilich so geschwächt worden, daß sie als militärische Formation im Augenblick keine Gefahr für den Staat mehr bilden. Die Mehrzahl der "Huks" hat sich in das von schwer zugänglichen Bergen eingeschlossene Cagayan-Tal im Nordteil der Insel Luzon abgesetzt, um in diesem von der Insel Formosa nur 500 Kilometer entfernten Gebiet die Landung der Truppen Mao Tse Tungs auf Formosa abzuwarten, von denen sie die dringend notwendige Unterstützung durch Lieferung von Waffen und Munition sowie durch Entsendung geschulter Bürgerkriegsagenten erhoffen.

Weder die Regierung in Manila noch die Amerikaner hätten also zur Zeit Grund, in den "Huks" und ihren kommunistischen Auftraggebern eine ernste Bedrohung zu sehen. Die einzige Gefahr für die Regierung besteht in den Folgen, die sich aus der bestehenden Mißwirtschaft und aus den nach Ausbruch des Korea-Konfliktes verstärkt zum Ausdruck gekommenen diktatorischen Absichten des Präsidenten Quirino ergeben können. Eine starke Opposition der "Nationalen Partei" unter ihrem im Volk beliebten Führer José P. Laurel, dem gefährlichen Gegenkandidaten Quirinos bei der Präsidentenwahl im November vorigen Jahres, steht für einen "Wachwechsel" bereit. Wie immer aber die Lage sich entwickeln mag, es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß sich im Falle eines allgemeinen kriegerischen Konfliktes die katholischen Filipinos auf die Seite der Vereinigten Statten stellen würden. Daß sie jedoch bei den inneren Verhältnissen des Landes zum einem problematischen Verbündeten werden dürften – auch darüber besteht kein Zweifel.

Ernst Krüger