Das Schwergewicht der sowjetischen Erdölgewinnung liegt nach wie vor im Baku-Gebiet, obwohl während und nach dem zweiten Weltkrieg das sogenannte "zweite Baku" mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln erschlossen wurde, um die Kriegs Verluste im Maikop-Gebiet auszugleichen. Das "zweite Baku" ist ein ausgedehntes Territorium im Raum von Ufa und bei Kuibyschew an der Wolga, wobei jedoch nur die Vorkommen von Sysran den Erwartungen entsprochen haben. Die Förderergebnisse in den nordkaukasischen Ölfeldern von Maikop haben sehr enttäuscht. Wie schwer sich die Kriegsschäden bei Maikop und der deshalb erforderliche Raubbau in Baku auswirkten, beweisen die bekannt gewordenen Produktionsziffern von 1945 mit nur 16 Mill. t gegen 31 Mill. t im Jahre 1940. In der Weltrangliste von 1949 steht die UdSSR mit 34,5 Mill. t an dritter Stelle.

Die Ölreserven in der UdSSR werden auf annähernd 1 Md. t geschätzt. Die bislang bekannt gewordenen Ölvorräte im Nahen Osten veranschlagt man mit 4,2 und die in den USA mit 3,4 Md. t, wobei die ebenfalls bedeutenden Vorkommen in Venezuela und Mexiko nicht erst erwähnt werden müssen, um den sowjetischen Öl-Engpaß darzulegen Dem ständig steigenden Ölbedarf in der westlichen Welt stehen die bisher noch unausgenutzten Rohstoffschätze in Kanada und Brasilien gegenüber, wogegen dem Nachholbedarf in der UdSSR nach Ausfall amerikanischer Lieferungen und neben der forcierten Ausbeute eigener Vorkommen nur mit der rücksichtslosen Ausnutzung der rumänischen, ungarischen und österreichischen Ölfelder begegnet werden kann. Die Einbeziehung der früher polnischen Ölgebiete in Galizien sowie der ehemals japanischen Vorkommen auf der Insel Sachalin in das sowjetische Potential tritt zwar nicht augenscheinlich zutage, ist bei der prekären Mangellage in der UdSSR aber doch von Bedeutung.

Sowohl die inzwischen wieder den Stand von 1943 erreichende Ölproduktion in Österreich als auch die befriedigenden Ergebnisse in Rumänien sind auf die Erschließung neuer Vorkommen zurückzuführen; in Österreich sind es neben den bekannten Feldern in Zistersdorf die neuen in Matzen und in Rumänien neben dem Ploesti-Gebiet die neuen an der Jalomitza und Buzeu. Umfangreiche Investitionen der Sowjetischen Mineralölverwaltung in Wien sowie die Konzentrierung aller Mittel, Anlagen und Bohrgeräte der enteigneten britisch-amerikanischen Ölgesellschaften in der "Sovrom" (Sowjetisch-Romanischen Ölgesellschaft) in Bukarest konnten die Ausfälle in den sowjetischen Ölgebieten zu einem bescheidenen Teil ausbleichen. –rt.