Alle großen Maler waren dort – Seite 1

Die beiden Männer saßen in der Bar und tranken. Der Junge, und der Alte mit dem nervös zuckenden Augenlid. Er sprach ununterbrochen auf den Jüngeren ein, und der nickte nur. Er hatte den ganzen Abend kaum etwas gesagt, sondern immer nur genickt. Der Schnaps hatte das Sprechen leicht gemacht. Auch das Zuhören.

"Sie sind doch jung. Wäre ich noch einmal! so jung wie Sie, würde ich wieder dorthin gehen."

Der andere sah auf die Ringe, die die Gläser auf der Thek hinterlassen hatten, und hatte große, sinnende Augen.

"Ein Maler muß dort gewesen sein. Alle großen Maler sind dort gewesen." Er winkte den Mixer heran. "Noch zweimal dasselbe." Dann tranken sie, und der Jüngere dachte an den Süden. Der Alte schüttelte sich. "Schnaps ist furchtbar. Er hat keine Kultur. Wein dagegen. .. Der schwere südländische Wein."

Und der junge Maler sagte leise: "Süden. – Italien, Frankreich, Spanien", und wußte, das er dorthin muß.

"Sie haben doch keine Verpflichtungen. Sie sind doch unabhängig", fing der Alte wieder an.

Der andere nickte und dachte an Ina. Aber er wußte, daß er trotzdem nach dem Süden gehen würde. Er dachte an die lichte Landschaft, die anderen Menschen, an die reizvollen Frauen. Süden. Malen.

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"Wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen meine Bilder", sagte der Ältere.

"Gerne. Sie würden mich sehr interessieren." "Kommen Sie". Sie zahlten und gingen darauf. Dann sah er die Bilder und der Alte redete wieder. Italienische Marktszenen. Er glaubte deutlich den Geruch der Früchte und der in Olivenöl gebackenen Fische zu spüren. Sah sich durch das Geschrei der Händler und das Gewimmel der Leute schieben. Dann saß er in einer Bodega inmitten fröhlich lärmender Italiener. Schwarzhaarige Mädchen brachten den schweren, süßen Wein und lächelten ihm zu.

InMarseille durchstreifte er den Hafen, unterhielt sich mit Matrosen, trank mit leichten Mädchen Aperitif und malte die engen, winkligen Hafengassen,

Spanien. Flimmernde Hitze, Staub und glutäugige Frauen hinter herabgelassenen Jalousien. Dann die Kühle der großen, weißen Steinhäuser.

Der Süden, dachte er wieder. "Sie haben recht. Dort kann man malen." Und er dachte an die Landschaft, die Mädchen und den Wein und wußte, daß er deshalb dorthin muß.

Er ging wieder in die Bar zurück und bestellte eine Flasche Wein.

"Irgendeinen aus dem Süden", sagte er. Dann war plötzlich Ina da. "Der einzige Ort, an dem man dich bestimmt trifft", begrüßte sie ihn. Er bestellte ein zweites Glas, und während sie tranken, dachte er, daß sie eine Südländerin sein müßte.

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"Ich gehe nach dem Süden", sagte er. Sie sah ihn an. "Und?"

"Ich will dort malen. Die Landschaft und die Menschen malen."

Sie schwieg und hoffte, daß er es doch nicht tun wird.

Er trank einen Schluck Wein. "Dort sind die Menschen anders und es ist überhaupt alles viel schöner."

Es war eine Weile still und der Mixer sah zu ihnen herüber,

"Ein Maler muß dort gewesen sein, sonst fehlt ihm etwas. Alle großen Maler waren dort."

Der Mixer hatte nichts zu tun und sah immer noch herüber. Er sah, daß das Mädchen verstimmt war, und kam näher.

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"Wann wollen Sie fahren?", fragte er den Maler. Er hatte alles gehört.

Der sah den Mixer an. "Bald. Kennen Sie den Süden? Ich will ihn malen. Ich will ihn so malen, wie der Alte ihn gemalt hat." Der Mixer rückte ein paar Flaschen zurecht. "Um zu malen, brauchen Sie nicht nach dem Süden, zu gehen. Der Alte war auch nie da." Der junge Maler starrte den Mixer an und dachte, wie der Alte vom Süden geschwärmt hatte.

"Er hat nie das Geld dazu aufbringen können. Es reichte nur zu ein paar Büchern über den Süden."

"Du Armer", sagte das Mädchen und streichelte seinen Arm, als es sah, wie enttäuscht er war, und dachte, daß es nun doch noch alles gut wird.