Westdeutschlands Handelsflotte verfügte Ende Juni erst wieder über ein Zehntel der gesamtdeutschen Vorkriegstonnage. Es waren zu diesem Zeitpunkt Fracht- und Fahrgastschiffe mit einer Tonnage von 463 000 BRT vorhanden, während die deutsche Vorkriegshandelsflotte über 4,5 Mill. BRT verfügte. Im ersten Halbjahr 1950 hat sich der Schiffsbestand infolge der Bau- und Kauflockerungen um 139 000 BRT erhöht. Davor entfielen 89 000 BRT auf Schiffsankäufe und 30 500 BRT auf Neubauten. 21 000 BRT wurden mitreis der Wiederherstellung gesunkener Schiffe gewonnen.

Die westdeutsche Handelsflotte unterhält augenblicklich Liniendienste nach Großbritannien, den skandinavischen Ländern, Polen, Holland Spanien, Portugal, der Levante, den USA und nach Westindien.

Mit der Indienststellung des MS "Adler" wird die Argo-Reederei Adler & Co., Bremen, ab Mitte August einen regelmäßigen wöchentlichen Dienst von Bremen nach London und umgekehrt aufnehmen. Nach den Häfen der schottischen Ostküsse wird ein vierzehntäglichen Liniendienst eingerichtet werden.

Das Alliierte Amt für Zivilluftfahrt erklärte sich damit einverstanden, daß nun auch die Geschäftsführung auf den Flughäfen der britischen Zore durch deutsche Angestellte ausgeübt wird.

Die skandinavischen Luftverkehrslinien (SAS) haben seit Aufnahme des Direktverkehrs Hamburg–New York 1200 Passagiere transportiert. Diese Passagiere führten der westdeutschen Wirtschaft mindestens 420 000 $ zu. Mit 28 Abflügen je Woche steht die SAS mit an der Spitze der Luftverkehrsgesellschaften, die Hamburg anfliegen. SAS hat in Hamburg 1, Ballindamm 38, ein neues Stadtbüro eröffnet.

Seit dem 15. Juli befliegt die norwegische Braathens S. A. F. E. auch Deutschland auf der Linie Stavanger–Hamburg–München–Athen. In Rom und Athen besteht Anschluß an die planmäßige Fernost-Route nach Kalkutta und Hongkong. Die Vertretung übernahm die Firma A. Thimm & Co., Hamburg 36, Jungfernstieg 30.

Die Deutsche Bundesbahn hat neue Großbehälter mit zwölf und acht Kubikmeter dem Verkehr übergeben. Die Behälter fassen in geschlossener und offener Form ein Ladegewicht von fünf Tonnen. Mit diesem Großbehältersystem beschreitet die Bahn einen neuen Weg zur durchgehenden Beförderung von Wagenladungsgütern von Haus zu Haus, der eine umwälzende Änderung der bisher üblichen Beförderungsweise bedeutet und der Wirtschaft erhebliche Erleichterungen verschafft. Es stehen zunächst 1000 Behälter zur Verfügung. Außerdem hat die Bundesbahn neuartige Tiefkühlwagen eingeführt.