Salzburg, Ende Juli

Österreichische Banken kaufen DM-Noten zu 4,97 Schilling ohne viel zu fragen. Sie verkaufen zu 6,01 Schilling, doch nur gegen Nationalbankbewilligung; also halbe Freizügigkeit, also neue Möglichkeiten für den Schwarzmarkt. Er hat zudem ein Monopol beim DM-Verkauf für all die Zwecke, die eine amtliche Bewilligung nicht erhalten oder den bürokratischen Umweg scheuen. Und er hat genügend DM-Geld als "Ware". So gibt es diesen Sommer ein bedeutendes DM-Angebot aus dem Reiseverkehr; der "Kleine Grenzverkehr" ist groß geworden. Diese DM-Mengen werden von Kaufleuten gefragt, die z. B. Maschinenbestandteile brauchen. Die offiziellen Möglichkeiten, diese zu beziehen, reichen nicht aus.

Es bleibt beim "Außenhandel im Rucksack", finanziert eben aus dem kleinen Grenzverkehr. Neben Banknoten werden noch größere DM-Beträge "Auszahlung Deutschland" schwarz gehandelt. Hier fällt das Risiko der verbotenen Geldübertragung fort. Es genügt der verklausulierte Brief.

Wie sind nun Kaufkraft und Kurse zu vergleichen? Zum Kaufen ist die D-Mark 4 bis 5 Schilling gleichzusetzen. Wer also zum Banknotenkurs umwechselt, lebt in Österreich nicht viel billiger als in Deutschland. Wer aber mit Paß und offizieller Devise kommt (Deutschland stehen 2 Mill. Dollar für nichtgeschäftliche Österreich-Reisen zur Verfügung), lebt sehr billig, weil er zum Devisen-Prämienkurs 1 DM = 6,16 S umwechseln kann. Oder der Reisende macht’s nach "Salzburger" Rezept: Er kauft in seinem Lande in einem Reisebüro gegen heimische Währung "sichere", Festspiel-Opern und -Konzerte (Furtwängler, Menuhin), soviel er mag; in Salzburg erreicht er für diese musischen Wertpapiere Überpreise. So haben sich kürzlich dänische Studeuten ihre Salzburg-Reise "verdient". J. Bös