Kein Mitglied der "Internationalen Vereinigung der Diamantenverarbeiter" darf künftig weder Rohdiamanten nach Deutschland liefern, noch dort geschliffene Steine kaufen, Das beschlossen die Vertreter von mehr als zehntausend Diamantschleifern aus Belgien, Holland, England, Israel, Südafrika und den USA im Haag. Der Grund? Die Deutschen betrieben Dumping, sagten sie. Ihre Löhne seien zu niedrig, ihre Arbeitszeit zu lang und überhaupt sei eine Diamantenindustrie in Deutschland aus Sicherheitsgründen durchaus unerwünscht. So hat man den amerikanischen Vertreter auf der Tagung in Hollands Hauptstadt beauftragt, bei seiner Regierung auf die Schließung der deutschen Betriebe zu dringen ... Da haben wir’s! Wieder einmal scheint jedes Mittel recht und billig, auch das machtpolitische, einen kleinen Konkurrenten loszuwerden.

Unsere Löhne zu niedrig? Die wenigen hundert Diamantschleifereien Deutschlands – keine sechs Prozent der Weltkapazität – in Idar-Oberstein, Hanau, Brücken und Erbach, kleinen Städten also, sind durchweg Familienbetriebe. Das ist ein erlaubter Strukturvorteil, der mit Dumping nichts zu schaffen hat. Und seit 1928 bemühen sie sich um ein Lohnabkommen mit dem internationalen Verband. Zu Ergebnissen kam es nie. Unsere Arbeitszeit zu lang? Wir halten uns an die international vereinbarte 48-Stunden-Woche. Sollen wir weniger arbeiten, auf daß wir unsere Armut nie überwinden? Wie, wenn wir den Holländern bei ihrem Struktur- und Standortvorteil vorwürfen, daß ihr Gemüse so billig ist? W–n.