Einen Tag, nachdem Präsident Truman vor dem amerikanischen Kongreß seine Botschaft verlesen hatte, in der er von den Bürgern der Vereinigten Staaten große Anstrengungen verlangte, um den kriegerischen Angriffen der Kommunisten überall in der Welt begegnen zu können, begann in Berlin der dritte Parteitag der SED. In aller Öffentlichkeit wurden bei beiden Gelegenheiten gegenseitige Kampfansagen verkündet, wurde von Rüstung und Bereitschaft gesprochen, wurde dargelegt, wie das Programm der nächsten Jahre aussehen solle. Wieder einmal trat dabei der Gegensatz der Ideologien zutage. Darüber hinaus aber manifestierten sich auch die Verschiedenheiten der beiderseitigen Methoden. Und das ist gerade für uns, die wir so unmittelbar bedroht sind, besonders bemerkenswert. Denn wenn es gelingen sollte, die kommunistischen Methoden durch einen Vergleich mit dem Westen klar herauszupräparieren, dann könnte es in Zukunft sehr viel leichter werden, sie mit Erfolg zu bekämpfen.

Präsident Truman hat in seiner Rede einen genauen Bericht über Beginn und weiteren Verlauf des koreanischen Konfliktes gegeben. Die in Korea weilende UNO-Kommission, so sagte er, habe einwandfrei festgestellt, daß der Angriff der nordkoreanischen Kommunisten ein unverhüllter, absichtlicher und unprovozierter Überfall gewesen sei. Dieser offene Bruch des Friedens aber sei eine Verletzung der UNO-Satzung und bedeute eine tatsächliche und gegenwärtige Gefahr für die Sicherheit einer jeden Nation. Mit anderen Worten: Der Friede ist unteilbar, und wer ihn einem Lande gegenüber verletzt, bedroht und verletzt ihn überall.

Welche Konsequenzen nun hat der amerikanische Präsident aus dieser Feststellung gezogen? Es sei nötig, so erklärte er, die militärische Stärke und die militärische Bereitschaft der Vereinigten Staaten zu erhöhen, und zwar aus drei Gründen: erstens, um der Lage in Korea gerecht zu werden, zweitens, um der Weltlage entsprechend die Zahl und Bewaffnung der amerikanischen Streitkräfte ganz allgemein zu vermehren und drittens, um den freien Nationen bei der Bewaffnung ihrer Heere mehr als bisher zu helfen.

Aus diesem Programm ergaben sich dann in der Folge die Gesetzesvorlagen, die der Präsident dem Kongreß zugehen ließ: Ein Antrag auf Bewilligung von zehn Milliarden für Rüstungszwecke, ferner ein Antrag, die zahlenmäßige Beschränkung der Mannschaftsbestände aufzuheben, und schließlich ein Antrag, nötigenfalls Maßnahmen für eine industrielle Planung anordnen zu dürfen – alles zusammen nicht viel weniger als ein Ermächtigungsgesetz für eine Teilmobilmachung. Weil also gemäß der Politik der Vereinigten Staaten der Friede unteilbar ist, wirkte seine Verletzung in Korea wie eine Initialzündung, die in Washington konsequent und unvermeidlich Kettenreaktionen hervorrufen mußte.

Auch in Ostberlin hat man auf dem Parteitag der SED über Korea gesprochen. In einem Telegramm hat man dem "heldenmütigen koreanischen Volk und seiner vorwärtsstürmenden Volksarmee brüderliche revolutionäre Kampfgrüße" übersandt. Sowjetzonenpräsident Pieck sprach von den "bewundernswerten Siegen" der Nordkoreaner und fügte hinzu, wenn die "imperialistischen Abenteurer" es wagen sollten, die Sowjetunion und die Volksdemokratien anzugreifen, so werde das "ganze deutsche Volk" die Sowjetunion unterstützen. Ein derartiges "Kriegsabenteuer" werde aber ohnehin mit der vollständigen Niederlage des Westens enden. Fügen wir noch hinzu, daß auch Ministerpräsident Grotewohl im Namen der SED die Solidarität der Sowjetzonenrepublik mit Nordkorea betonte, wobei er darauf hinwies, daß die nationalen Verhältnisse Koreas denen Deutschlands glichen, dann haben wir alles erwähnt, was über Korea auf dem Parteitag der SED gesagt worden ist. Irgendwelche Konsequenzen wurden aus dem Koreakonflikt nicht gezogen. Nur um ihn zu einigen Propagandasätzen zu benutzen, war er gerade gut genug. Wie sollte dies auch anders sein, da sich doch die SED genau wie die Sowjetunion seit Jahren im Stadium der vorbereitenden Mobilmachung befindet! Es ist die Mobilmachung für den Bürgerkrieg.

Diese Mobilisierung zeigt sich nun nicht nur in der Aufstellung und Vermehrung der Volkspolizei und in der Schaffung einer Seepolizei, der demnächst wohl ein Volksfliegerkorps folgen wird, sondern in viel stärkerem Maße in der Umbildung der Partei selbst. Sie soll, wie Pieck es formuliert hat, zu einer "Partei des neuen Typus", zu einer "Kampf- und Kaderpartei" entwickelt werden. Deshalb müsse sie sich die großen historischen Erfahrungen der siegreichen bolschewistischen Partei aneignen und den Marxismus-Leninismus, die Geschichte der kommunistischen Partei Rußlands und die Werke des großen Stalin gründlich studieren.

Was aber ist diese Geschichte der russischen kommunistischen Partei anders als eine Folge ständiger "Reinigungen" zu dem Zweck, ein völlig homogenes Machtinstrument zu schaffen in der Form blind gehorsamer Funktionäre? Daher die "Kaderpartei"! Es sollen absolut zuverlässige Stammkräfte vorhanden sein, die nach Belieben und Bedarf zu einer Massenpartei vergrößert und, wenn deren Aufgabe vorüber ist, wieder durch "Reinigung" verkleinert werden können.