Präsident Truman ersuchte den amerikanischen Kongreß um die Bewilligung von zehn Mil-Karden Dollar, um der Front in Korea die erforderlichen Streitkräfte und das nötige Kriegsmaterial zuführen und jeder bewaffneten Aggression in der Welt entgegentreten zu können. Unmittelbar nach seiner Kongreßbotschaft verabschiedete das Repräsentantenhaus die vorgesehene Waffenhilfe an die freien Nationen in Höhe von 1 222 500 000 Dollar.

Das amerikanische Heer sowie die Luft- und Seestreitkräfte werden unverzüglich eine begrenzte Anzahl von Reservisten zum sofortigen aktiven Dienst einziehen, gab das USA-Verteidigungsministerium bekannt.

Außenminister Acheson erklärte in Washington, jeder, der den nordkoreanischen Streitkräften helfe, könne nach dem Völkerrecht selbst als Angreifer angesehen werden.

In Korea setzten die kommunistischen Truppen des Nordens ihren Vormarsch nach Süden fort. Es gelang ihnen, die amerikanischen Einheiten in eine gefährliche Zange zu nehmen. Nach einer nicht amtlichen Mitteilung aus Washington haben die USA gegenwärtig etwa 56 400 Mann Bodentruppen in Korea.

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Alle führenden Blätter der westlichen Hauptstädte forderten übereinstimmend eine Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft in der westlichen Welt. In vielen Kommentaren wurde das Thema Deutschland berührt. Ein Sprecher des britischen Außenminsteriums erklärte jedoch, die Wiederaufrüstung Deutschlands stehe nicht auf der Tagesordnung des Exekutivausschusses der Atlantikpaktmächte, der in London zusammentrat. Der amerikanische Hohe Kommissar McCloy sagte fast gleichzeitig, daß es im Falle eines Angriffs auf die Bundesrepublik – ähnlich dem in Korea – sehr schwierig wäre, "den Deutschen das Recht und die Mittel zur Verteidigung ihres eigenen Bodens zu verweigern".

Politische Kreise in London rechnen mit einer Erhöhung der Militärdienstzeit von 18 Monaten auf zwei Jahre.