Walter Mehring, vor 1933 als Dichter großartiger Berliner Bänkellieder berühmt, konnte sich anläßlich des Kongresses für Kulturelle Freiheit drei Tage in seiner Vaterstadt aufhalten. Vor seiner Abreise nach New York erzählte er unserer Mitarbeiterin, wie es ihm bei den drei Stadien seiner Emigration ergangen ist und wie er jetzt leben muß.

Als ich das erste Mal floh, das war 1933 aus Berlin. Damals marschierte man schon mit Hakenkreuzbinden. Ein Attaché des auswärtigen Amtes hatte sich telefonisch bei mir zum Abendessen eingeladen. Da wußte ich, daß er mir etwas mitzuteilen hatte. Es war soweit.

Am Bayerischen Platz war für diesen Abend ein Vortrag von mir angekündigt über deutsche Lyrik.

Ich ging durch eine Absperrung von Hakenikreuzpolizei hindurch und setzte mich in ein kleines Café. Der Ober steckte mir einen Zettel zu. "Sie müssen sofort hier weg. Gegen Sie ist Haftbefehl erlassen." Ich stand auf, da vertraten mir zwei SA-Männer den Weg. "Sind Sie Walter Mehring?"

"Ick weeß nich, wat Sie meenen." "Wollten Sie nicht eben zum Vortrag von Mehring?"

"Ick jeh überhaupt nich zu Vorträgen." Im Nachtzug fuhr ich zur Grenze. In Köln war Rosenmontag. Ein Betrunkener stieg in den Zug mit einer Zeitung in der Hand. Ich las die Überschrift: "Der Reichstag brennt." In Aachen gab es schon Berliner Zeitungen. "Kommunisten zünden den Reichstag an."

Uniformen wirken Wunder in Preußen, dachte der Hauptmann von Köpenick ... Ich ging auf den Stationsvorsteher zu und fragte leicht blasiert; "Ist mein Onkel nicht hier, der Herr von X? Nein? Dann nehmen Sie bitte einen Brief an im auf!" Der Stationsvorsteher schrieb langsam und ehrfürchtig den Brief an den Herrn von X von seinem treuen Neffen Fritz und brachte mich in letzter Minute selbst zum Kupee. Kein Polizist wagte mich anzusprechen.