Wer war der meistgelesene (oder doch der meistgekaufte) deutsche Autor im Goethejahr 1949? Goethe? Thomas Mann? Graham Greene? Wer’s nicht weiß, wird’s nicht erraten. Es war Ludwig Ganghofer. Eine Million seiner Bücher wurde umgesetzt – ganz ohne Buchkritiken, ohne Propaganda, ohne Diskussionen. Dreißig Jahre ist er nun tot. Am 24. Juli wäre die Schutzfrist für seine Werke zu Ende, wenn Hitler sie nicht allgemein auf fünfzig Jahre erweitert hätte. So wird Ganghofer jetzt nicht frei. Das ist schade, denn mit Vertrieb von Ganghofer-Romanen könnte sich sonst mancher junge Verlag Mittel beschaffen und die Publikation junger Dichter wagen. Es gibt ältere Verlage in Deutschland, die mit einigen milchenden Autoren (zum Beispiel Bonsels) die Herausgabe schwerer anbringbarer, wertvoller Verlagsprodukte (Bücher und Zeitschriften) finanzieren. Im Fall Ganghofer scheint das Geschäft bequemer zu laufen, und der lukrative Verstorbene düngt mit seiner Hinterlassenschaft nicht den umgepflügten und schwach bestellten Acker der deutschen Literatur. Cel.