Über den Mittelflügel von Schloß Laeken weht wieder die schwarz-gelb-rote Trikolore Belgiens. Aber über den Straßen des Landes flattern Spruchbänder: Tod dem König. Nach sechsjährigem Exil ist Leopold III. zurückgekehrt. Die belgische Königskrise hat damit de jure ihr Ende gefunden. Aber noch nicht de facto. Im Gegenteil, während in St. Gudula, der Kathedrale von Brüssel, das Tedeum angestimmt wurde, explodierten in den Städten die ersten Bomben. Die neun sozialistischen Mitglieder des Kronrats traten zurück. Massen demonstrierten gegen den König. Ein Generalstreik steht vor der Tür. Hat Stalin wieder einmal recht? "Europa zerstört sich selbst!"

Es gibt zwei Auswege aus diesem Dilemma, das gleichermaßen durch den Starrsinn des Monarchen und der Parteien hervorgerufen worden ist. Entweder dankt Leopold zugunsten seines Sohnes, des Kronprinzen Baudouin, ab; das wäre ein königlicher Entschluß in dieser unerfreulichen Affäre. Oder aber Sozialisten und Liberale entschließen sich, mit ihm zusammenzuarbeiten: das wäre eine demokratische Entscheidung. Der Klügere gibt nach, sagt ein altes Wort. In Belgien wäre der Nachgiebige nicht nur der Klügere, er wäre auch der bessere Patriot. Denn die Fortführung des Streites gefährdet die Nation. Und der bessere Europäer. Denn während in Korea der Krieg zwischen zwei Welten tobt, scheint es wirklich nicht die richtige Zeit, in Europa einen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. –i.