B. Rom im Juli

Daß die italienische Privatwirtschaft durchaus nicht immer die Außenhandelspolitik ihrer Regierung gutheißt, wird erst jetzt langsam außerhalb der Landesgrenzen bekannt, wo man bisher meist vermutete, daß es allein oder vorwiegend die Landwirtschaft sei, die für Liberalisierung aus Sorge um den Absatz ihrer Produkte eintrete. Die protektionistische Autarkie-Politik der faschistischen Ära hat allein in dem Komplex der IRI (Industria Riunita Italiana, die "Vereinigten Italienischen Industrien", zu denen "Breda" mehrere Werften, oberitalienische Eisengießereien und u. a. Elektrizitätswerke gehören) etwa 250 verstaatlichte Betriebe zurückgelassen. Davon befinden sich 40 in ewiger Liquidation und eine unbekannte Anzahl, die vom Finanzministerium direkt kontrolliert werden. Diese Unternehmen haben für das Rechnungsjahr 1950, obwohl sich durch zahlreiche Elektrizitätswerke auch hochrentable Unternehmen unter ihnen befinden, doch einen Finanzbedarf von über 80 Md. Lire angemeldet. Die Gründe sind bekannt: verfehlte Investitionen.

Ganz anders ist die, Situation der in Privathand befindlichen Industrien, deren markantester Zweig die Textilindustrie ist. Trotz erheblicher Eigeninvestitionen, ohne Inanspruchnahme von Marshall-Geldern, sind sie von einer bemerkenswerten Flüssigkeit und haben den technischen Stand der USA vor allem in der "fortlaufenden" Produktion, d. h. im Spinnen und Bearbeiten der Faser durch ein und dieselbe Maschine, damit also einen Vorsprung vor der europäischen Konkurrenz. Das ist das genaue Gegenteil, was man von den Betrieben des Staatsholdings sagen kann. An dieser Stelle geht ein tiefer Riß durch die Außenhandelspolitik Italiens; hie Privatbetrieb, hie verstaatlichtes Unternehmen.