J. B. Wien, Mitte Juli

Obwohl Österreich im vergangenen Jahr die doppelte Menge an Fischen und Fischwaren wie vor dem Kriege eingeführt hat, fehlt Deutschland in der Reihe der österreichischen Lieferanten hierfür noch vollständig. 1937 dagegen hatte es mehr als zwei Drittel des österreichischen Seefischverbrauches befriedigt. Im vergangenen Jahr belief sich der Fischimport auf 152 000 dz. Davon waren vier Fünftel Seefische, die in der Hauptsache von Norwegen und Dänemark geliefert wurden. Gesalzene Fische und Räucherfisch kamen speziell aus Schweden und Holland.

Als Ursache für den stärkeren Fischverzehr wird die Änderung vieler Verbrauchsgewohnheiten in der Nachkriegszeit angesehen. Fisch ist in Österreich recht billig. Während Schweinefleisch heute zehnmal soviel und Kalb- und Rindfleisch fast sechsmal soviel kosten als vor dem Kriege, erreicht der Preis von Kabeljaufilet kaum das Vierfache der Vorkriegszeit. Dieser günstige Preis beruht allerdings auf einer Subventionierung: die Fischeinfuhren werden zum Grundkurs (14,40 Schilling je US-Dollar) umgerechnet. Wenn Österreich nun, was durchaus zu erwarten ist, zum Einheitskurs übergeht, würde der, Preisvorteil wegfallen. Dannbeliefe sich die Umrechnung des US-Dollars 22 Schilling, und es ist sehr fraglich, ob den Österreichern auch zu. diesem Kurs Fischfilet dann noch so gut schmecken wird, wie es jetzt der Fall ist...