Die Volkswirtschaftliche Gesellschaft Hamburg hatte Industrielle, Syndici, Großhändler und Professoren zu einer Wochenend-Debatte gebeten. Es sollte darüber diskutiert werden, wo der Unternehmer "steht". – Ein weites Feld! Es kam viel zur Sprache in den 20 Stunden, Grundsätzliches und Aktuelles, mit leichter Hand gelenkt vom Vorsitzer der Gesellschaft, Dr. Köhler, der den Kreis bewußt begrenzt hatte, damit "man nicht rede und sich dann wieder in die Anonymität der großen Zahl zurückziehe", wie es so oft das Kennzeichen ist, wenn viele beisammen sind. In diesem kleinen Kreis mußte Farbe bekannt werden. Wer, bewußt oder unbewußt, mit Schlagworten operierte, lief Gefahr, daß die Professoren Timm und Schrewe, umgänglich aber unerbittlich, dem Sinn der volltönenden Worte, nachforschten, hier Unlogik nachwiesen oder da die Gewichte zurechtrückten. Kurz: für Interessentenideologie war kein Platz.

Und welche Erkenntnisse erarbeiteten sich die Diskussionsteilnehmer? Eine die Freiheit, die Beweglichkeit sichernde Marktwirtschaft, die undogmatisch soziale Schranken einbaut, erklärten sie für die uns gemäße Wirtschaftsverfassung. Sie sahen ein, daß in ihr Interessenvertretungen nur auf technischem Gebiet sinnvoll sind. Deutlicher: Der Unternehmer hat Rechte und Pflichten, er übt eine Funktion aus. Die Wirtschaftsverfassung ist nicht für ihn da, sondern er ist ein Teil von ihr.

Wie aoer sollen diese Grundfragen Allgemeingut werden, wenn die wissenschaftlich seit langem gesicherten Erkenntnisse, die dieser Konzeption zugrunde liegen, nur selten dem praktischen Wirtschaftler bekannt sind? Dreifach beklagte man sich: über sich selbst, über die Presse und über die Wissenschaft. Wie oft müsse sich der Praktiker der klassenkämpferischen Schlagworte wie Ausbeuter, Mißachtung der Arbeit oder Expropriateur erwehren, ohne selbst überzeugend antworten zu können. Es fehle das selbstverständliche Rüstzeug: man sei "in der Defensive". Die Zeitungen lieferten dieses Rüstzeug nicht, sagte man. Sie seien an die Aktualität gebunden und setzten die nicht bekannten Grundsätze als bekannt voraus. Die Wissenschaft arbeite, so hörte man weiter, zu sehr abseits der Praxis. Was not tue, das sei die Popularisierung gesicherter, objektiver, also nicht zweckgebundener Erkenntnisse, um "die Dinge ins rechte Licht zu rücken".

Das will die Volkswirtschaftliche Gesellschaft jetzt in Angriff nehmen. Sie meint richtig, bevor man amerikanische Public relations nachahme, solle der Pflege der öffentlichen Meinung erst einmal die Sicherung der eigenen Meinung vorangehen. Nur so könne man dem interessengebundenen Machtkampf, der niemand nützt, aber allen schadet, weil Interessen keine letzte Basis sind, entgehen. Weinstein