Von unserem römischen Korrespondenten

F. G. Rom, im Juli

In Italien hat die Reaktion auf Korea sehr deutlich die Gefahr aufgezeigt, die aus der Überstaatlichkeit des Kominform für den Verteidigungswillen der westlichen Welt entsteht. Der Brief des Italienischen Kommunistischen Jugendverbandes an Stalin, wonach "die italienische Jugend niemals die Waffen gegen das Land des Sozialismus ergreifen" werde, war nur der offizielle Ausdruck jenes Defaitismus, den Togliattis Partei – die noch immer fast zwei Millionen eingeschriebene Mitglieder zählt – im Falle eines Krieges auf der Halbinsel zu erwecken droht, eines Defaitismus, der in diesen Wochen von den zahllosen Parteizellen der Landgemeinden und Fabriken in verstärktem Maße der Jugend gepredigt wird. Als de Gasperi in seiner Rede vor der Kammer von diesem Briefe sprach, erhoben sich die linksradikalen Abgeordneten von ihren Plätzen und klatschten lauten Beifall: sie verhehlten nicht, daß sie im Kriegsfalle, der die italienische Demokratie an der Seite der Demokratien sehen würde, ihren Kaders nicht nur den Befehl zum zivilen und militärischen Ungehorsam, sondern zur bewaffneten Rebellion geben würden. Partisanentum also und Bürgerkrieg im Rücken des kämpfenden nationalen Heeres!

De Gasperis offene Stellungnahme zu den Rissen, die die "innere Front" Italiens durchziehen, hat bewiesen, daß er selbst es länger nicht für ratsam hält, diese Gefahr zu verschweigen. Die Hoffnungen der italienischen Demokraten, die revolutionären Strömungen des Landes absorbieren und neutralisieren zu können, sind offenbar fehlgeschlagen, sei es, weil die Ereignisse sich überstürzen, sei es, weil gerade jena Kreise, auf die de Gasperi manche seiner Hoffnungen gestützt hatte, der "nationalen Solidarität" entschieden mehr Lippendienste als praktische Beiträge geleistet haben. Es handelt sich um alle diejenigen, die der italienische Regierungschef mit bitteren Worten als "die fetten Bürger" bezeichnete, die bereits dabei seien, "ihre Reserven in Sicherheit zu bringen und ihre Flucht zu erwägen".

Jene Italiener aber, die das Vertrauen in die Regierung nicht verloren haben, sind – es wäre unnütz, dies verschweigen zu wollen – enttäuscht über die Haltung, die die befreundeten Regierungen des Atlantikpaktes vielfach den italienischen Problemen gegenüber eingenommen haben: in der Frage Triest – wo die Amerikaner den Italienern wie Tito dienen wollten, um am Ende keinem zu dienen – ebenso wie in der Frage der italienischen Emigration – die unter den grünen Tisch der Konferenzen versickert ist –, in der vom Pariser Parlament zurückgewiesenen italo-französischen Zollunion wie in der Frage der nordafrikanischen Kolonien, die die italienische Öffentlichkeit in besonders heftiger Weise gegen Großbritannien aufgebracht hat. Zweifellos werden die italienischen Demokraten, die bisher zu den heißesten Verfechtern der Europäischen Einheit gehörten, auch in Zukunft ihre Zusammenarbeit mit dem Westen bedingungslos fortsetzen – und in der Bedingungslosigkeit liegt die Aufrichtigkeit –, aber nach vielerlei Enttäuschungen tun sie es weniger mit dem Elan der Begeisterung als mit der Logik der Notwendigkeit.

Der Widerstand, den de Gasperis Regierung gegen die Wühl- und Sabotagetätigkeit der roten Fünften Kolonne leistet, bewegt sich zunächst noch im Rahmen der verfassungsmäßigen Normen. Obwohl die Haltung der linksradikalen Abgeordneten bewiesen hat, daß sie jede Warnung in den Wind schlagen, will sich de Gasperi aus Prinzip – nicht aus Schwäche – ungern totalitärer Maßnahmen gegen die revolutionäre Opposition bedienen. Den Rufen breitester Kreise: "I comunisti fuori legge!", die Kommunisten außer Gesetz zu stellen, hat er entgegengehalten, er werde "eine weise soziale und wirtschaftliche Politik" mit dem Ziele "einer gleichmäßigeren Verteilung des Eigentums und des Nationaleinkommens" fortsetzen, solange es möglich sei; den Kommunisten sei positiv, nicht mit negativen Unterdrückungsmaßnahmen zu begegnen. Außerdem ist de Gasperi überzeugt, daß es sich bei der größten Zahl der KPI-Mitglieder nicht um Berufsaktivisten handelt, die sich im Kriegsfälle bedenkenlos an die Seite des Angreifers stellen würden, sondern um Leute, die der kommunistischen Ideologie aus sozialen Gründen Folge leisten, einer notwendigen nationalen Verteidigung jedoch ihren Dienst nicht versagen würden.

Wie immer dies auch sei, die Haltung der italienischen Regierung gegenüber den Kommunisten wird automatisch von den internationalen Ereignissen diktiert. De Gasperi glaubt zunächst noch, daß der koreanische Konflikt lokalisiert oder sogar "bereinigt" werden könne. Indessen kann er sich keinen Täuschungen hingeben, daß eine weitere Verschärfung der internationalen Lage die Unschädlichmachung der Fünften Kolonne zum kategorischen Gebot machen könnte. Ob es dazu kommt – und wann –, hängt von den Kommunisten selbst ab.