Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Europa als Auswirkung des Krieges und die Notwendigkeit einer engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zur Beseitigung der Kriegsschäden weisen auch dem Schwedenerz wieder seinen ihm zukommenden Platz in der europäischen Wirtschaft zu, den es im letzten Jahrzehnt zum großen Teil verloren hatte. Die schwedische Eisenerzförderung (1938: 13,9 Mill. t) sank infolge der Kriegseinwirkungen bis 1945 • auf 3,9 Mill. t. Sie hat sich seitdem zwar erholen können, doch rechnet man für das laufende Jahr nur mit einer Förderung von etwa 12 Mill. t. Die Höhe der schwedischen Eisenerzförderung ist eine Frage der Ausfuhrmöglichkeiten. Vor dem Krieg waren England und Deutschland die wichtigsten Abnehmer des Schwedenerzes. Bei einer gesamtdeutschen Eisenerzeinfuhr von 21,9 Mill. t im Jahre 1938 entfielen auf Schwedenerze 8,99 Mill. t oder 41 v. H. Diese Menge machte übrigens rund 65 v. H. der schwedischen Förderung aus. Westdeutschland ist zwar bemüht, seine Erzförderung zu steigern, die 1948 6,5 Mill. t betrug und bis 1952 11 bis 12 Mill. t erreichen soll, doch würde sie, auch wenn diese Förderziffern erzielt werden, immer noch weit hinter der deutschen Förderung des Jahres 1940 mit rund 17 Mill. t zurückbleiben. Dem Schwedenerz sind in Deutschland durch; die politischen Umstände der Nachkriegszeit zwar kontinentale Konkurrenten erwachsen, doch wird es sich auf die Dauer als vorteilhafter erweisen, wieder mehr Schwedenerz zu beziehen.

Die schwedische Eisenerzausfuhr ist noch immer sehr bescheiden. Westdeutschland hatte im Vorjahr Lieferungen von 2,7 Mill. t abgeschlossen, die jetzt ausgelaufen sind. Im April nahm man jedoch die Eisenerzverschiffungen in den schwedischen Häfen nach Deutschland wieder auf. Es wurden zwischen Westdeutschland und Schweden bisher Kontrakte über die Lieferung von 3,5 Mill. t Erze abgeschlossen. Mit einigen mittelschwedischen Eisenerzgruben laufen noch Verhandlungen über Erzkäufe für die Ruhrwerke. Man scheint in Schweden mit einer günstigen Export-Entwicklung zu rechnen, denn der Erzverladekai in Narvik hat jetzt eine Verladekapazität von täglich 80 000 t erhalten, das wären rund 28 Mill. t im Jahr. Und über Narvik werden etwa 80 v. H. der Erzexporte abgefertigt.

Alle Voraussetzungen für eine Steigerung der Eisenerzförderung und der Exporte sind gegeben. Die Erzvorkommen in Lappland, nördlich des Polarkreises, werden als praktisch unerschöpflich angesehen. So werden die Erzreserven des Kirunavaara-Feldes auf über 1 Mrd. t geschätzt, die Reserven der Vorkommen von Gällivare auf rund 400 Mill. t und weitere Vorkommen des gleichen Erztyps auf etwa 170 Mill. t. Weniger bekannte und erforschte Vorkommen im Norden des Landes sollen noch einmal rund 100 Mill. t enthalten. Das zweite Eisenerzgebiet liegt in Mittelschweden nordwestlich von Stockholm. Einige der Minen haben Erze mit Gehalten an Silizium, Tonerde, Kupfer, Apatit, Magnesit, Calcium, Molybdän, Wolfram, Mangan, Titan und Vanadium. Ein großer Teil dieser seltenen Metalle wird gewonnen und ist für die schwedische Wirtschaft von großem Wert. In diesem Gebiet liegen auch die bekannten Eisenerzvorkommen von Grängesberg.

Die "Trafik Aktiebolaget Grängesberg-Oxelösund" ist führend in der schwedischen Eisenerzförderung und -ausfuhr. Sie besitzt eigene Eisenbahnen für den Erztransport und eine eigene Erzflotte. Ihr gehören die wichtigsten Verladeanlagen in Narvik. Sie kontrolliert die Grängesberg-Minen und ist zu 50 v. H. an der Ausbeutung der Lappland-Erze beteiligt. Weiter besitzt sie ausgedehnte Verladeanlagen in Oxelösund, während der andere Erzhafen von Lulea am Bottnischen Meerbusen mit seinen Verladeanlagen im Staatsbesitz ist. Beide Häfen an der Ostsee sind im Gegensatz zu Narvik bis zu fünf Monate vom Eis blockiert und fallen für diese Zeit für den Erzexport aus. Der Anteil des schwedischen Staates ist übrigens durch die Übernahme von sechs ehemals deutschen Erzgruben in Mittelschweden noch weiter gewachsen.

Auch die schwedische NE-Metallerzförderung und -Metallerzeugung ist gestiegen. Sie reicht aber nicht aus, um den Bedarf der hochspezialisierten schwedischen Industrie zu decken. Möglichkeiten für eine weitere Steigerung der Zink-, Blei-, Kupfer- und besonders der Aluminiumerzeugung sind jedoch gegeben. Insbesondere ist der Ausbau der Aluminiumerzeugung ins Auge gefaßt worden. Die schwedische Aluminiumindustrie ist jedoch stark überfremdet, im wesentlichen durch kanadisches und norwegisches Kapital. Die Regierung fordert daher, daß mindestens die Hälfte des Aktienkapitals in schwedischen Besitz übergeht. H. B.