B. P., Stockholm, im Juli

Der deutsch-schwedische Warenaustausch hat sich seit dem Herbst 1949 in einen Umfange und mit einer Geschwindigkeit entwickelt, die auch Fachleute überrascht haben. Während Schweden im gesamten Jahr 1949 für 316 Mill. skr. aus ganz Deutschland importierte, hat es allein für das erste Halbjahr 1950 für etwa 350 Mill. skr. Einfuhrgenehmigungen allein aus Westdeutschland erteilt (1 skr. = 0,82 DM).

In den Jahrzehnten vor dem letzten Krieg bestand im Außenhandel zwischen den skandinavischen Ländern, England und Deutschland der sogenannte Dreiecksverkehr d. h. mit einem Ausfuhrüberschuß nach England wurde der Einfuhrüberschuß aus Deutschland bezahlt. Heute fehlt Schweden dieser Ausfuhrüberschuß im Englandgeschäft. Im Gegenteil, die englische Exportoffensive hat im Verein mit den Dollarmanigel auf dem schwedischen Markt große Erfolge erzielt. Daher war es bisher so, daß Schweden aus Westdeutschland nur genau so viel kaufen konnte, wie es nach Deutschland verkaufte. Zwar hatte man einen Swingfonds; wurde er jedoch überschritten, so mußte der Mehrbetrag in Dollar bezahlt werden. Ein Einfuhrüberschuß aus Westdeutschland bedeutete also für Schweden eine Hartvaluta-Ausfuhr. Die aber kann sich Schweden nur für lebenswichtige Waren leisten.

Die Struktur des deutsch-schwedischen Handels hatte sich daher zunächst dahin gewandelt, daß ein Warenaustausch Zug um Zug vorgenommen wurde, bis jetzt nach den jüngsten deutsch-schwedischen Verhandlungen sich die schwedische Regierung bereit erklärt hat, die schwedische Freiliste für die Einfuhr deutscher Waren zu "öffnen". U. a. ist die Einfuhr von Hopfen, Blumensamen, Heu, Stroh, Blumenzwiebeln, veredelten Obstbäumen, Tomatenpüree, Kaffeersatz, Backpulver, Konfitüren, Kakaopulver und Schokolade (nicht gerade großzügig) ans Deutschland nicht mehr an Einfuhrgenehmigungen der schwedischen Regierung gebunden. Für Waren, die in der Freiliste nicht enthalten sind, wurden Kontingente vereinbart, so z.B. bis zum 31. Dezember 1950: Wein, Schaumwein und Spirituosen für 400 000 I, Saatgut für 80 000 $, Zuchtvieh für 20 000 $, Fischkonserven und Süßwasserfische für ebenfalls 20 000 $

Bisher war es durch Dreiecksgeschäfte über Dänemark gelungen, die schwedische Einfuhr aus Westdeutschland zu steigern, vor allem was Kraftwagen angeht. Der Volkswagen, der von der schwedischen "Scania Vabis" montiert wird, ist stark gefragt und Mercedes Benz teilte soeben mit, daß in drei Monaten 600 dieser nicht gerade billigen Qualitätswagen in Schweden verkauft wurden. Die Qualitätsansprüche sind in Schweden sehr hoch, denn der schwedische Markt ist im wahrsten Sinne des Worts ein Veitmarkt. Allein was Kraftwagen betrifft, um im Beispiel zu bleiben, so sieht man hier Wagen aus allen Ländern, sogar den in Sowjetrußland gebauten Opel. In den ersten 4 Monaten 1950 betrug der Wert der Kraftwageneinfuhr aus England 30, aus Frankreich 10, aus Deutschland 6 und aus den USA 4,5 Mill. skr.

Die Tabelle zeigt die rasche Zunahme des schwedischen Handels mit Deutschland in der letzten Zeit, im Gegensatz zum Handel mit England, dessen Ausfuhr nach Schweden zeitweilig zurückging, im laufenden Jahr aber voraussichtlich einen neuen Rekord erreichen wird.

Schwedens