Wir hatten gehofft, folgenden Satz nicht schreiben zu müssen: Der Deutsche Gewerkschaftsbund beginnt totalitäre Ansprüche zu stellen. Der Wille zur Macht ist auch bei ihm stärker als der Wille zur Verantwortung. Dieser Wille zur Macht, der erst kürzlich den DGB beschließen ließ, zur Erlangung des Mitbestimmungsrechts "gewerkschaftliche Kampfmittel einzusetzen", wird immer unverhohlener sichtbar.

Im Südosten Bayerns hat erst dieser Tage die Industrie-Gewerkschaft Chemie – Papier – Keramik, Verwaltungsstelle Altötting, die Entscheidung mehrerer dortiger Betriebsräte zur Nachahmung empfohlen, daß "bei Neueinstellungen nur gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer berücksichtigt werden". Fast gleichzeitig klagte vor einem Arbeitsgericht in Nord Westdeutschland der Bauhilfsarbeiter M. Er war entlassen worden, weil er nicht Mitglied einer Gewerkschaft werden wollte. Das Hameler Arbeitsgericht, sein Name sei wohl vermerkt, wies die Klage auf Wiedereinstellung ab. Begründung: Eine Belegschaft kann fordern, daß alle Arbeitnehmer organisiert sind, damit die Gewerkschaft ein Mitbestimmungsrecht hat.

Dies also sind Methoden der deutschen Gewerkschaften auf ihrem Wege zur Macht. Und dies sind ihre Mittel, wenn sie die Macht bereits in Händen zu haben glauben: Die Hamburger Hafenarbeiter weigern sich seit über einer Woche auf Anordnung der Internationalen Transportgewerkschaft (ITF) den argentinischen Dampfer Rio Gualegay zu beladen – der Exportgüter für Buenos Aires an Bord nehmen sollte –, weil die ITF mit der Regierung Peron Streitigkeiten hat. Hamburgs Senat und die Bundesregierung erklärten ein Eingreifen für unmöglich, da kein "Notstand für die deutsche Wirtschaft" vorläge und das Streikrecht daher unumstößlich sei. Das schärfste. Urteil über diese Vorgänge sprachen nicht die sozialistischen englischen Hafenarbeiter, die in London stillschweigend den Boykottbefehl der ITF mißachteten und die Ladung eines argentinischen Dampfers löschten, und nicht der Abgeordnete Max Rademacher von der FDP, der im Bundestag darauf hinwies, daß mit diesem Streik die notleidenden deutschen Häfen und deren Arbeitnehmer schwer geschädigt und der Außenhandel und der deutsch-argentinische Handelsvertrag gefährdet werden. Das schärfste Urteil sprach der KPD-Abgeordnete Georg Kohl. Er sieht in der Haltung der Hamburger Transportarbeiter ein "Zeichen für die Gesundung der deutschen Gewerkschaft". Auch darin also gleicht der DGB so mancher faschistischer Organisation: In rührender, Einfalt spielt er das Spiel des Kreml. C. J.