Von Felix Morley, Washington

Das amerikanische Kriegsmaterial für Korea muß auf einem 8300 km langen Wege von Seattle nach Fusan gebracht werden. Damit sehen sich die USA Nachschub-Schwierigkeiten gegenüber, die nur mit denen der Briten während des Burenkrieges verglichen werden können. Damals gewann eine Handvoll holländischer Farmer alle Anfangssiege und widerstand dem ganzen britischen Empire mehr als zwei Jahre lang. Und heute? Wenn General McArthur von Tokio aus um Nachschub kabelt, dann muß mit mindestens sechs Wochen gerechnet werden, bevor das Verlangte in Korea gelandet werden kann.

Doch ist es nicht nur die Schwierigkeit der Versorgungswege, die den Kampf der Amerikaner so problematisch macht. Hinzu kommt die Leichtigkeit, mit der Nordkorea seine kommunistischen Truppen ausrüsten kann. Direkt nördlich von Korea nämlich liegt die Mandschurei, die bereits im Jahre 1922 von Sprechern einer japanischen Eisenbahngesellschaft als ein „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ bezeichnet wurde. Und nur 140 km von der koreanischen Grenze liegt das Ying pan- Tal, das mit Recht das „asiatische Ruhrgebiet“ genannt wird. Hier und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich die berühmten Fushun-Kohlengebiete, aus denen Japan im Jahre von Pearl Harbour nahezu zehn Millionen t hochgradig bituminöser Kohle gewann. Nahezu die Hälfte dieser Erzeugung entstammt Oberflächenvorkommen, die mit Ölschiefer bedeckt sind, und im ersten Jahr der Produktion, 1929, betrug die ölgewinnung 30 000 t Rohöl. Die russischen Tanks, die die Vorhut der nordkoreanischen Armee bilden, erhalten ihren Brennstoff aus den Raffinerien von Fushun, nicht weiter als eine nächtliche Fahrt auf einer doppelgleisigen Eisenbahn von Seoul entfernt.

Die Tanks selber werden vermutlich größtenteils in den großen Showa-Stahlwerken hergestellt, die von den Japanern 1929 in Ansham errichtet worden sind. Ansham liegt südlich von Mukden, an der Haupteisenbahnlinie nach der großen Flottenbasis von Port Arthur, die Roosevelt und Churchill in dem unrühmlichen Yalta-Abkommen ohne chinesische Genehmigung Stalin großzügig übereignet haben.

Mit der Kohle von Fushun und dem Eisen von Ansham wurden die meisten japanischen Unterseeboote und Tanks auf den Werften von Dairen gebaut. Es liegt kein Anlaß vor, anzunehmen, daß sie den gleichen Dienst nicht auch dem Marschall Malinowski erweisen, dem russischen Feldherrn, der heute die nordkoreanische Armee von Mukden aus leitet. Was die Russen selbst dort geschaffen haben, weiß man nicht genau. Um so besser kennt man die japanischen Anlagen, die Sowjetrußland in den letzten fünf Jahren ungestört ausbauen konnte. Das Mandschukuo Year Book von 1934 gibt an, daß die Japaner allein in der Mandschurei 150 Werkzeugmaschinenfabriken betrieben, von denen im Durchschnitt jede 10 000 Arbeiter beschäftigte, dazu 220 chemische Fabriken mit einer Durchschnittsbelegschaft von 9000. 20 weitere Fabriken wurden als „Spezialindustrie“ geführt –: ein beschönigender Ausdruck für Munitionsherstellung. Dieses große Industriegebiet gruppiert sich um Mukden, von wo eine moderne doppelgleisige Eisenbahn zur nahe gelegenen koreanischen Grenze führt. Seit 1946 haben die Russen sich große Mühe gegeben, das Gebiet von Mukden intensiv zu modernisieren. Wieviel Wert die Kommunisten dabei auf Geheimhaltung legten, wurde vor etwa einem Jahr deutlich, als Angus Ward, der amerikanische Generalkonsul in Mukden, mit seinem gesamten Stab zwangsweise abtransportiert wurde. Die Konsulatsangestellten hätten leicht Schätzungen über die militärische Produktion der Mandschurei machen können.