L. B., Kapstadt, Anfang August

Dem Beispiel der Südafrikanischen Union folgend, entwickelt sich auch die britische Selbstverwaltungskolonie Südrhodesien allmählich vom Einfuhrland industrieller Erzeugnisse zum Selbstversorgungsgebiet. Die Voraussetzungen für eine solche Entwicklung sind allerdings besonders günstig. Das Land verfügt über reiche Bodenschätze und über zur Elektrizitätsversorgung geeignete Gewässer. Seine Geschicke werden von einer von Unternehmungsgeist getriebenen eigenen Regierung bestimmt, die im wesentlichen von der zentralisierten Bürokratie des Mutterlandes unbehelligt ist. Dazu kommt, daß anlagesuchendes englisches Kapital und europäische Siedler zur Verfügung stehen. Abgesehen davon, daß der Eigenbedarf Südrhodesiens im Steigen begriffen ist, bieten die afrikanischen Gebiete günstige Absatzmöglichkeiten. Der Überseehandel Süd- und Nordrhodesiens ist allerdings dadurch stark behindert, daß die Gebiete vom Meere abgeschlossen und die in Beira (Port.-Ostafrika) zur Verfügung stehenden Hafenanlagen noch ungenügend sind.

Die wichtigsten Bergbauerzeugnisse des Landes sind Gold, Silber, Asbest und Steinkohle, das wichtigste landwirtschaftliche Ausfuhrprodukt Ist Tabak. Außerdem werden vor allem Häute Felle und Erzeugnisse der Schuhwaren- und Bekleidungsindustrie exportiert. Den Mittelpunkt der südrhodesischen Industrie bilden die halbstaatlichen Stahlwerke in Que Que, fast im Zentrum des Landes, die hochgradige Eisenerzlager ausbeuten, ferner die Steinkohlengruben bei Wankie im Westzipfel der Kolonie. Die Rhodesian Alloys Limited, an der die britische Schiffsbaufirma John Brown & Company maßgebend beteiligt ist, wird bei Gwelo eine Schmelzanlage zur Gewinnung von Ferro-Chrom aus südrhodesischen Chromerzen errichten. Dazu kommt eine Reihe von Unternehmungen der Fertigwarenindustrie.

Zunächst führt die starke Industrialisierung des Landes zu einem erhöhten Bedarf, der in der passiven Außenhandelsbilanz zum Ausdruck kommt. Die Haupteinfuhrwaren Südrhodesiens sind, in wertmäßiger Reihenfolge: Baumwollstoffe, Maschinen, Eisen- und Stahl waren, Lebensmittel, elektrische Geräte und Zubehör, Kraftfahrzeuge, Wollstoffe, Kleidung, Geräte, Werkzeuge, Instrumente, Chemikalien, Farben, Drogen, Metallwaren (außer Eisen- und Stahlwaren), Töpferei- und Glaswaren, Kunstseide, Fahrräder.

Die starke Verbundenheit der Kolonie mit dem Mutterlande kommt in dem Anteil Englands am Außenhandel Südrhodesiens zum Ausdruck. Im Jahre 1949 wurden bei einem Gesamtwert der Einfuhr von 54 1/2 Mill. £ für 28 Mill. £ Waren aus Großbritannien bezogen. Eine Entscheidung der südrhodesischen Regierung über die Zulassung japanischer Waren, die in anderen afrikanischen Gebieten bereits merklich mit denen anderer Industrieländer in Wettbewerb liegen, steht noch aus. Britischen Exportpreisen wird vielfach vorgeworfen, daß sie über die veränderten südrhodesischen Marktverhältnisse schlecht unterrichtet sind, da sie gewöhnlich, eine Vertretung für das südliche Afrika in einer der Unionsstädte unterhalten, anstatt in Südrhodesien selbst vertreten zu sein.

Zur Förderung der britischen Ausfuhr hat die Abteilung für Überseehandel der britischen Regierung die Richtlinien für am Handel mit Nord- und Südrhodesien und Nyassaland interessierte Firmen herausgegeben. Die meisten bedeutenden rhodesischen Handelshäuser unterhalten Einkaufsbüros in der Südafrikanischen Union oder in Großbritannien.