Stalin hat mit seinem koreanischen Krieg in ein Wespennest gestochen. Je weiter seine Panzer in Südkorea vorstoßen, desto lauter summt es in den Kriegs- und Verteidigungsministerien der Welt. Das Pentagon in Washington verteilt Milliardenbeträge an die Rüstungsindustrie; die Waffenhilfe für Europa soll bis 1953 die ungeheure Summe von 12 Milliarden Dollar erreichen; der Exekutivrat der Atlantikpakt-Staaten tagt in London; das englische Unterhaus hat eine zweitägige Verteidigungsdebatte hinter sich, auf der die schonungslosen Sätze des alten Kriegsherrn Churchill die ganze Unzulänglichkeit der westeuropäischen Verteidigung ans Licht zogen. Und der englische Verteidigungsminister Shinwell drückte sich sehr milde aus, als er vor dem Unterhaus erklärte, die in Westeuropa verfügbaren Kräfte blieben „weit- hinter den Erfordernissen der Situation“ zurück.

Angesichts dieser Lage ist es verständlich, daß die für die Verteidigung Westeuropas Verantwortlichen in zunehmendem Maße mit der Möglichkeit liebäugeln, ihre eigenen schütteren Reihen aus deutschen – und nach Foster Dulles auch aus japanischen – Beständen an Menschen und Material aufzufüllen. Das ist nicht nur verständlich, das wäre auch richtig. Niemand wird der „Zeit“ militaristische Tendenzen vorwerfen, aber niemand wird uns auch dazu veranlassen können, einem Prinzip zuliebe mit geschlossenen Augen und einem Regenschirm in der Hand einem neo-koreanischen Schicksal entgegen zumäandern. Wir wollen keine nationale deutsche Armee, aber wir wollen uns verteidigen können, freilich nicht so, wie dies vor einigen Tagen ein Sprecher des französischen Außenministeriums vorschlug, als er meinte, die Bundesrepublik müsse zur Verteidigung Westeuropas einen finanziellen und wirtschaftlichen Beitrag leisten. Wir lehnen diesen französischen Gedanken einer „stillen Teilhaberschaft“ Deutschlands an Europa ab. Wir können auch Dr. Schumacher nicht zustimmen, daß der einzig wirksame Beitrag Deutschlands zum Schutz vor dem Bolschewismus in einer „größtmöglichen sozialen Leistung“ liege. Wir haben kein Interesse an stiller Teilhaberschaft, wir wollen Partner sein. Darum halten wir es für notwendig, daß deutsche Kontingente für eine europäische Streitmacht gestellt werden, falls man uns als aktive und gleichberechtigte Partner hierbei anerkennt. Gleichberechtigt – das heißt, daß die deutsche Führung nicht beim Bataillons- oder Divisionskommandeur aufhört, sondern daß deutsche Generalstäbler auch in Fontainebleau, dem Sitz des europäischen Generalstabes, einziehen. Wir wollen keine nationale Armee, aber das The Germans to the front hätte für uns einen schlechten Klang, solange nur fremde Offiziere über ihren Einsatz entschieden. C. D.