Der jungen, rührigen Amerika-Gesellschaft e. V.,

Hamburg, ist es zu danken, daß den am amerikanischen Markt interessierten Kaufleuten einmal ein nüchternes Bild von dem Geschäftsklima vermittelt wurde, das jenseits des großen Wassers üblich ist. Das Referat von Dr. Eric W. Stoetzner, der in zahlreichen westdeutschen Städten auch vor den Industrie- und Handelskammern sprach, räumte mit manchen Illusionen auf und traf die recht interessante Feststellung, daß auch der amerikanische Geschäftsmann sich in der gleichen Lage wie der europäische Fabrikant befindet, wenn es sich darum handelt, seine Ware in Amerika zu verkaufen. Denn in Wirklichkeit ist der amerikanische Markt ein kleines und mittleres Geschäft. Und in den Jahreswert der US-Produktion von 74 Mrd. Dollar teilen sich 240 000 Fabrikanten. Analysiert man diese Zahlen, so wird man feststellen, daß 95,8 v. H. der amerikanischen Betriebe weniger als 250 und die Hälfte sogar weniger als 10 Arbeitnehmer beschäftigen.

Der Erfolg des kleinen amerikanischen Fabrikanten ist seine Geschäftspolitik, Verkauf und Verteilung nur auf örtlicher Basis zu planen. Er wird es nie wagen, jeden Markt in jedem Staat gewinnen zu wollen und sich damit zu übernehmen. Als Zentrum der meisten Werbebemühungen bezeichnete Dr. Stoetzner den Nordosten Amerikas, der allein 15 Staaten umfaßt. Dieses Gebiet verfügt über ein Marktvolumen, das für den Erfolg derartiger Bemühungen außerordentlich günstig ist. Wir wollen wünschen, daß diese nüchterne Klima-Analyse besonders den deutschen Kaufleuten eine Reihe wertvoller Anregungen gab, die sich von ihrer Beteiligung an der internationalen Messe von Chikago einigen Erfolg versprechen.

Zu diesen Unternehmen gehören die Heinrich Habig AG., Herdecke Ruhr, und Göcke & Sohn, Hohenlimburg, die einzigen Stoffdruckereien, die aus Westdeutschland an der Chikago-Messe teilnehmen. Beide Firmen sind sich ihrer speziellen Schwierigkeiten für das unmittelbare Geschäft mit den USA-Importeuren durchaus bewußt. Aber sie wollen diese Messe zur Aufnahme der ersten Nachkriegsverbindung mit den amerikanischen Märkten benutzen. Ihre Stoffe sind überall in der Welt ein Begriff für Qualität, und sie haben die Hoffnung, mit ausgefallenen und nach unseren Begriffen gewagten Mustern Verkaufserfolge zu erreichen. Man wird in Chikago Dessins sehen, die vom Althergebrachten völlig abweichen und in ihren Darstellungen vom Elefanten über Bumerang- und Labyrinth-Motive bis zur Whiskyflasche reichen. – Man muß eben Risiken eingehen, wenn man verkaufen will. ww.