Eintönig peitscht das Meer mit kurzem Wellenschlag den Strand. Das Dorf, das in einer Talfalte, dem Ozean zugewandt, liegt, brütet in der Sonne. Gerade vor dem Dorf, abgesondert von den andern Häusern, liegt das Haus der Martin-Levesques. Eine richtige Fischerhütte. Ein winziger Garten, wie ein Taschentuch, breitet sich vor der Tür. Zur Straße hin zäunt eine Hecke das Ganze ein.

Der Mann ist auf Fischfang; die Frau flickt vor der Tür die Maschen eines großen braunen Netzes, das sie wie ein riesiges Spinngewebe über die Mauer gebreitet hat Ein vierzehnjähriges Mädel bessert Wäsche aus. Ein anderes, um ein Jahr jüngeres Kind, wiegt in seinen Armen einen winzigen Säugling; und auf der flachen Erde sitzen zwei Knirpse von zwei und drei Jahren; die wühlen mit ihren kleinen ungeschickten Händen im Sand. Niemand spricht ein Wort. Nur das winzige Wesen weint mit einer grellen zerbrechlichen Stimme. Auf dem Fenstersims schläft eine Katze, und am Fuße der Mauer schlingern sich blühende Levkojen zu einem bunten Kranz.

Das halbwüchsige Mädchen ruft plötzlich: „Mutter... Er is wieder da!“ Als sie den Vater zum Boot brachten, hatten sie den Mann zuerst bemerkt; auf dem Grabenrand saß er, dem Hause gegenüber. Er schien sehr krank und elend. Als er erkannte, daß man ihn wie einen Herumtreiber beobachtete, war er hinkend davongegangen. Aber bald hatten sie ihn zurückkommen sehen, mit seinem langsamen matten Gang. Es kam ihnen vor, als wolle er ihnen auflauern.

Die Mutter war früher mit dem Matrosen Martin verheiratet gewesen; der fuhr jeden Sommer nach Neufundland zum Kabeljaufang. Nach zwei Jahren hatte sie von ihm ein kleines Mädchen; als sie dann wieder im sechsten Monat schwanger ging, verscholl der Kutter, auf dem ihr Mann fuhr. Niemals hatte sie eine Nachricht von ihm erhalten. Man gab das Schiff verloren. Die Martin wartete sechs Jahre auf ihren Mann. Weil sie eine tapfere und anständige Frau war, warb bald ein Fischer aus der Gegend, Levesques, ein Witwer mit einem Jungen, um sie; sie nahm ihn und hatte von ihm im Laufe von drei Jahren zwei Kinder. Ihr Leben war mühevoll und arbeitsreich. Das Brot war teuer, und Fleisch kannten sie kaum. Trotzdem gediehen die Kleinen gut.

Als der Mann draußen an der Straße weiterhin wie ein Pfahl blieb und seine Augen unentwegt starr auf das Haus gerichtet waren, da packte die Martin die Wut. Sie ergriff eine Schaufel und ging damit hinaus.

„Was tun Sie denn hier?“ fuhr sie ihn an. Seine heisere Stimme antwortete: „Frische Luft schöpfen – was denn sonst? Stör ich Sie etwa?“ Sie sagte: „Warum sind Sie denn so am Herumspionieren, hier vor meinem Hause?“ Der Mann sagte: „Tu doch niemand was an – is es vielleicht verboten, auf der Straße zu sitzen?“ Da wußte sie keine Antwort und ging wieder zurück.

In der Nacht kam Levesques von der Arbeit. Man erzählte ihm von der Sache. Er zog seine Schlüsse: „Is vielleicht ausgerissen – oder will uns ’nen Schabernack spielen.“ Er legte sich zu Bett und machte sich weiter keine Gedanken. Aber seine Frau sah immer diesen Landstreicher vor sich, der sie aus so seltsamen Augen angeblickt hatte.