Im elften Heft der „Kieler Studien“, so nennen sich die Forschungsberichte des von Professor Baade geleiteten Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (Schriftleitung Dr. Dr. Zottmann, Kiel, Düsternbrooker Weg 120), hat Dr. Rudolf Binder unter Mitarbeit von Regierungsrat Teske ein schwieriges Thema angepackt: „Die Belastung durch die persönliche Einkommensteuer in Deutschland, England und den Vereinigten Staaten“. – Schwierig, weil im Alltag, in der trüben Hitze des politischen Kampfes von Seiten der Alliierten wie der Deutschen, und bei diesen wieder je nach Weltanschauung unterschiedlich, die Steuerbelastung mit allen möglichen, meist laienhaften Argumenten verfochten oder abgelehnt wird. Und, wo Schlagworte regieren, ist für wissenschaftliche Genauigkeit wenig Raum ... Diese wird hier aber geboten, wenn auch thematisch begrenzt auf die Einkommensteuer; sachlich in der Aufbereitung der Zahlen, genau in der Analyse, vorsichtig (aber sicher) in den Schlußfolgerungen.

Hier in Stichworten das Wesentliche: die Belastung der Einkommen bis zu 50 000 DM (darunter fallen in allen Ländern rund 95 v. H. des Volkseinkommens) durch die persönliche Einkommensteuer beträgt in Westdeutschland rund das Vierfache und mehr der Belastung in den USA und rund das Eineinhalbfache und mehr der Belastung in England. Unter Berücksichtigung der englischen Subventionen ergibt sich ein Belastungsverhältnis zwischen England und Deutschland von allgemein 1 : 2, weil in Westdeutschland die „staatliche Fürsorge“ an Personen und Familien geleistet wird, die außerhalb des Wirtschaftslebens stehen, in England dagegen die Subventionen denen wieder (wenn auch in anderer Form) zugute kommen, die sie über die Steuer bezahlt haben. Der eigentliche Steuerdruck ist aber in Westdeutschland noch erheblich höher, als der Belastungsvergleich andeutet; denn bei uns liegt das durchschnittliche Volkseinkommen je Kopf viel näher am Existenz-Minimum als in England oder den USA. Genau: nach Abzug sämtlicher Steuern (ohne Zölle) verblieb 1948 in Westdeutschland ein durchschnittliches Resteinkommen – in Form des Brutto-Sozialprodukts – je Kopf von 1285 DM, in England von 2660 DM und in den Vereinigten Staaten von 4761 DM, nach Umrechnung der Wechselkurse und ohne Berücksichtigung der sich in Westdeutschland aus dem Lastenausgleich ergebenden Verpflichtungen.

Das Urteil: ein so starkes Gefälle in der steuerlichen Belastung und ein so unterschiedliches Resteinkommen je Kopf der Bevölkerung ist ein beträchtliches Hemmnis für die wirtschaftliche Einordnung der Bundesrepublik in die westliche Welt. – Seien wir dankbar, daß das Kieler Institut diese Dinge wissenschaftlich einwandfrei geklärt hat. Die Arbeit von Dr. Binder ist ein Beweis mehr, daß heute die Finanzpolitik der Wirtschaftspolitik viel näher steht als dem immer noch geübten fiskalischen Denken. Weinstein

Das Informationswerk der schweizerischen Wirtschaft „Kompass“, Kompa.ss-Verlag A.-G., Zürich (Alleinauslieferung für Westdeutschland: Südwestdeutsche Buchvertriebsgesellschaft, Eßlingen a. N.), ist mit einem Umfang von 1300 Seiten im Octavformat eines der vollkommensten Wirtschafisnachschlagewerke. Dieses Handbuch umfaßt Industrie, Handel und Verkehr und gibt eine hervorragende Übersicht über alles Wissenswerte aus der schweizerischen Wirtschaft. Es dürfte auch für die mit der Schweiz arbeitende deutshe Wirtschaft unentbehrlich sein. nie.

Mit dem Titel „Forschung, Technik, Arbeit“ bringen die Farbwerke Höchst, Frankfurt/Main-Höchst. eine Broschüre heraus, die sich mit der interessanten Entwicklung dieses weltbekannten Unternehmens in der Zeit von 1945 bis 1949 beschäftigt.

Vcn der Konrad Hornschuch A.-G. in Urbach (Wüitt.), die Baumwollspinnerei, Zwirnerei, Weberei, Bleicherei, Färberei und Ausrüstung betreibt, wurde ein sehr interessanter Sozialbericht des rückliegenden Geschäftsjahres herausgegeben, der zahlreichen Industriezweigen als Anregung und Vorbild dienen kann.

In der Sammlung „Hilf Dir selbst“ (Wilhelm Stollfuß-Verlag, Bonn) sind erschienen: „Was kann ich 1950 an Steuern sparen?“, „Der Lohnsteuerberater“ und „Der Sozialversicherungsberater“.