Unter Führung von Prof. Holthusen, Hamburg, nahm eine deutsche Delegation an dem Internationalen Kongreß für Radiologie und Röntgenologie in London teil. Erstmalig war Deutsch wieder als Verhandlungssprache eines internationalen Kongresses in London zugelassen. Hauptthemen waren die Behandlung von Krebskranken mit Röntgenstrahlen hoher Energie, die biologische Wirkung der ionisierenden Strahlen und die Frage der Strahlenschädigung. Nachstehend berichtet unser Londoner Gw-Korrespondent über die technische Ausstellung, die von 80 Firmen beschickt wurde. Darunter waren 9 deutsche Unternehmen der Röntgenindustrie vertreten.

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Für jede deutsche Exportindustrie ist es von Wert zu wissen, welche Figur sie nach zehn und mehr Jahren der Abriegelung macht. Eine Stunde am Stand einer führenden deutschen Firma der Röntgenindustrie. auf dem 6. Internationalen Kongreß für Radiologie und Röntgenologie in London (dem ersten dieser Art seit 1937) gab für diesen Zweig der deutschen Wirtschaft eine erfreulich günstige Antwort. 2700 Experten aus 54 verschiedenen Ländern, Professoren aus Österreich, Dänemark, Frankreich, Amerika und Deutschland unterhielten sich als „Verbraucher“, als Männer der Praxis, über die gezeigten Geräte, die neuesten Aufnahmetische und die Anlagen für Tiefentherapie. Es wirkte wie ein improvisiertes wissenschaftliches Streitgespräch, und die Anerkennung überwog die Kritik bei weitem. Die Präzision sei vielleicht schon vor einigen Jahren auf ihrem Höhepunkt angelangt, meinte einer der Experten. Doch die einfache Handlichkeit der Geräte zeigte eine Verfeinerung, die jeden Arzt und jede Schwester mit größter Freude erfüllen müsse. Man könne, so meinte ein anderer, die Entwicklung der Röntgengeräte mit der der Kameras vergleichen: Aus den Anfängen des „einfachen Kastens mit Lochverschluß“ über die Zwischenstufen der Klappkamera mit Balg und vielen verschiebbaren Teilen sei man zur modernen Kleinkamera gekommen, und die gleichen Stadien hätten nunmehr auch die Röntgengeräte hinter sich gebracht. Präzisionsleistung und einfache Handhabung haben sich gefunden und sind in gefällige Formen gegossen worden.

Die deutsche Röntgenindustrie hat es in der Gesellschaft ihrer internationalen Konkurrenten dabei keineswegs leicht: die Amerikaner sind in den letzten beiden Jahrzehnten als vollwertige Wettbewerber hinzugekommen, die Engländer haben sich in ihren Commonwealthmärkten fester in den Sattel gesetzt. Kleinere Länder, wie etwa Schweden, haben Erzeugung und Export einfacherer Geräte mit einigem Erfolg aufgenommen. Dennoch können die deutschen Aussteller in London sich wahrlich nicht über mangelndes Interesse und Echo beklagen. Und die Absichten einiger führender deutscher Werke, die Anlagen (die bereits mehr Kräfte als vor dem Kriege beschäftigen) nochmals zu erweitern – wir hörten von zwei derartigen Plänen –, scheinen durch die Londoner Erfahrungen durchaus bekräftigt worden zu sein.

Auch von den übrigen Ausstellern gab es viel zu lernen. Die Amerikaner haben sich intensiv mit der Röntgen-Kinematographie befaßt – über die schon auf dem Hamburger Röntgenologenkongreß 1949 gesprochen wurde –, und ihre Vorführungen auf dem Londoner Kongreß fanden erhebliches Interesse. Es ist für den Arzt in vielen Fällen von erheblichem Vorteil, an Stelle einer Aufnahme einen ganzen Film etwa von Gelenkbewegungen oder der Herztätigkeit zu sehen. Es scheint, als ob hier eine der nächsten Entwicklungsphasen auch für die europäische Industrie der Röntgengeräte liegen wird.

Neben den Geräten waren in London noch die Hilfsmittel vertreten, allen voran die fotografischen Materialien für Röntgenaufnahmen. Wiederum zeigte sich, genau wie in der gewöhnlichen Fotografie und in der Filmwirtschaft, wie weit voran die deutsche Farbfotografie in Bildschärfe und Farbechtheit liegt. Und für den üblichen Schwarz-Weiß-Röntgenfilm konnte aus der industriellen Forschungsarbeit heraus von Dr. Schleußner eine vielbeachtete Anregung gegeben werden: Die Verbesserung des Materials der Röntgenfilme erlaubt seit einiger Zeit die Herstellung besonderer Qualitäten für spezifische Zwecke. Es ist nun möglich – und wäre sicherlich zweckmäßig –, die Empfindlichkeit dieser verschiedenen Röntgenfilme in einer Maßeinheit, entsprechend den „DIN-Graden“ für die gewöhnlichen Filme, auszudrücken und für jedes