Symbol des Friedens ist die weiße Taube. Dagegen hat niemand etwas einzuwenden. Tritt sie aber plötzlich in rotem Federkleid auf, besteht Grund, mißtrauisch zu werden. Denn /die rote Friedenstaube gurrt tagtäglich gerade so wie ihre weiße Schwester und viele lassen sich von diesen Tönen anlocken und sehen nicht auf die Farbe. Die meisten Friedensfreunde, die so ahnungslos irrten, gingen in den Taubenschlag der Kommunisten, indem sie den „Stockholmer Appell“ unterzeichneten.

Dieser sogenannte „Stockholmer Appell“ wurde am 19. März 1950 von einem kommunistisch inspirierten Kongreß in Schwedens Hauptstadt ins Leben gerufen. Mit einem Zitat von Niels Bohr wurde der Wunsch getarnt, ein Verbot der (amerikanischen) Atomwaffe herbeizuführen. „Wir fordern das absolute Verbot der Atomwaffe“, heißt es in der Resolution. „Wir fordern die Errichtung einer strengen, internationalen Kontrolle, um die Anwendung dieser Verbotsmaßnahme sicherzustellen. Wir sind der Ansicht, daß diejenige Regierung, die zuerst die Atomwaffe gegen irgendein Land benützt, als Kriegsverbrecher zu behandeln ist. Wir rufen alle Menschen der Welt, die guten Willens sind, auf, diesen Appell zu unterzeichnen.“

Und viele, viele unterschrieben. In Dänemark beispielsweise unterzeichneten bisher 100 000 Menschen, in Schweden ebenso viele und in den USA bereits eine Million. Sogar Kinder wurden genötigt, den Appell zu unterschreiben. Ja, und Spötter behaupteten, daß der Überfall Nordkoreas gegen Südkorea sich um einige Tage verspätete, da die Nordkoreaner zuvor noch den „Stockholmer Appell“ unterschreiben mußten. Das ist vielleicht Ironie, aber fest steht, daß das kommunistisch regierte Nordkorea tatsächlich seinen Angriff auf Südkorea erst unternahm, als es den Bluff von Stockholm anerkannt hatte. Das sind die „Friedenspartisanen“ in der Praxis.

Bezeichnenderweise wurde die Unterschriftensammlung für den „Stockholmer Appell“ zu allerletzt in der Sowjetunion gestartet, natürlich – wie auch in allen Satellitenstaaten – zwangsweise. Hätte man dort angefangen, so wäre es den Kommunisten wahrscheinlich nicht gelungen, ihren Betrug zu kaschieren. Denn zweifellos handelte die Mehrzahl der Unterzeichner in den westlichen Staaten anfangs wirklich im guten Glauben. Das wurde nun anders. Das Sprachrohr des Kremls, die Prawda, warf in einer offiziellen Stellungnahme die Maske ab. Sie schrieb, daß die Unterzeichnung des „Stockholmer Appells“ eine persönliche Verpflichtung sei, gegen die Bewaffnung Westeuropas – zu deutsch: für die kommunistische „Fünfte Kolonne“ – zu arbeiten.

Die Reaktion im Westen blieb nicht aus, vor allem im Geburtsland des Appells, in Skandinavien. Die dänische Zeitung Berlingske Tidende veröffentlicht seit einiger Zeit täglich einen Vordruck, den ihre Leser nur auszufüllen brauchen, falls sie ihre Unterschrift zurückziehen wollen. Bisher wurden 14 000 dieser Vordrucke ausgefüllt und dem Leiter der dänischen Friedenspartisanen, dem früheren Freiheitskämpfer Professor Mogens Fog, zugestellt. Das Exekutivkomitee innerhalb der Kirchenkommission für Internationale Fragen richtete eine Aufforderung an die Kirchen der ganzen Welt, sich nicht dem kommunistischen Appell anzuschließen. Und selbst dem neutralitätsdürstenden schwedischen Ministerpräsidenten Erlander kamen Bedenken. Er erklärte, es sei Schweden unbehaglich zu wissen, daß die kommunistische Propaganda den Namen seiner Hauptstadt mißbrauche.

Ein ganz neues Moment hat der norwegische Ministerpräsident Einar Gerhardsen in die Debatte geworfen. Er machte vor 15 000 sozialdemokratischen Jugendlichen aus 30 Ländern den Vorschlag, mit einem neuen Stockholmer Friedensappell an Moskau heranzutreten. Er fordere nicht nur das Verbot der Atombombe, sondern das Verbot jeglicher Art der Kriegsführung. „Darum“, so erklärte er, „wenden wir uns an die russische Regierung und das russische Volk mit der Bitte: Beendet den kalten und den blutigen Krieg! Macht ein Ende mit Terror und Verfolgung!“ Der Westen also beginnt langsam aufzuwachen. Denn die Menschheit will den Frieden. Doch nicht zu den Bedingungen des „Stockholmer Appells“. Und nicht im Kleid der roten Taube.

Engdahl-Thygesen