Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Basel, seriös, jeder Spekulation abhold, hat in ihrem Jahresbericht – dem 20. – die westdeutsche Kapitalbildung untersucht – ohne die Aktualitäten aus dem Korea-Konflikt berücksichtigen zu können, leider. Doch in der Tendenz trifft die Analyse der Bank, die das technische Instrument der europäischen Zahlungsunion sein wird, nach wie vor zu.

R. K. N., Basel, Ende Juli

Die BIZ geht von der Feststellung aus, daß der Gesamtbetrag der Sparguthaben bei den westdeutschen Kreditinstituten von April 1949 bis März 1950 um fast 1,4 Mrd. DM gewachsen ist. Sie erklärt dann, der wichtigste Aspekt der Wiederbelebung des Sparens in Geldform und der Reaktivierung der Kapitalmärkte bestehe darin, daß Firmen die Möglichkeit geboten wird, durch Emissionen kurzfristige Bankkredite für langfristige Zwecke in langfristige Kredite umzuwandeln, so daß die Banken ihre Liquidität zurückerlangen und eine liberale Kreditpolitik ohne Gefahr eines inflatorischen Druckes betreiben können. Diese Wiederbelebung der Kapitalmärkte sei dort besonders wichtig, wo es dringlich ist, vermehrte Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitslose zu schaffen, vor allem also in Italien, wo die Bevölkerung jährlich um eine halbe Million zunimmt, und in Westdeutschland, wo der Arbeitsmarkt durch 10 Millionen Vertriebene belastet ist. Der Bericht betont sodann, daß die gegenwärtige deutsche und italienische Arbeitslosigkeit radikal von den Verhältnissen unterschieden ist, die Keynes in seiner „Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ im Auge hatte, und warnt, seine Rezepte in der gegenwärtigen Lage anzuwenden. (Das beginnt ja nun auch die Opposition in Deutschland einzusehen.) Gleichzeitig meint aber die Bank, die Behörden sollten sich nicht passiv verhalten: geeignete Zinspolitik (Schäffer ist ja dagegen, Erhard dafür) und Wiederherstellung des allgemeinen Sparvertrauens wären vordringliche Aufgaben.

Mit Nachdruck betont man, daß europäische Länder, die in den letzten Jahren dank ausländischer Hilfe ein hohes Investitionsvolumen aufrechterhalten konnten, vor der schwierigen aber unvermeidlichen Frage stehen, mit der jetzt abnehmenden Marhall-Plan-Hilfe auch ihre Investitionstätigkeit entsprechend zu vermindern oder durch erhöhtes Spaten Investitionen ohne Inflationsgefahr durchzuführen. Daß der Sparwille einer Bevölkerung nicht zuletzt von der Finanz- und Steuerpolitik ihrer Regierung und die Beschäftigung der Arbeitslosen in gleichem Maße von dem Vertrauen des Sparers in die Währung abhängig ist – zwischen Sparen, Investieren und Beschäftigen also der engste volkswirtschaftliche Zusammenhang besteht –, macht dieser Bericht mit wünschenswerter Deutlichkeit klar. Daß es aber auch in den Investitionen Dringlichkeitsstufen gibt, deren Berücksichtigung durch entsprechende Investitionspolitik unerläßlich. ist, drückt er mit diesen Sätzen aus: „Tatsache ist, daß die Hilfsquellen, die zur Bildung von Kapital zur Verfügung stehen, knapp sind. Viele europäische Länder brauchen dringend mehr Häuser. Da man nicht mit einem plötzlichen Einsetzen eines starken Stromes neuer Spargelder rechnen kann, wird eine Erhöhung der Investitionen in einer bestimmten Richtung höchstwahrscheinlich eine Herabsetzung in einer andern Richtung erfordern, also eine Kürzung der Beträge, die von den Regierungen für Industrie-Unternehmen bereitgestellt werden. Ferner stellt auch eine Neubildung von Währungsreserven eine Form der Investierung dar und konkurriert auf diese Weise mit anderen Arten von Investitionen. Da die Mittel begrenzt sind, ist es angebracht, immer wieder zu erwägen, welches ihre beste Verwendung ist, und daran zu denken, daß eine neue Phase im Wiederaufbauprozeß eine Neueinteilung der verfügbaren