Eine indirekte, ungewollte Bestätigung der in der obigen Studie beschriebenen Sachlage liefert die Resolution des SED-Parteitages vom 24. Juli 1950, aus der zu erschließen ist, wie zäh die Intellektuellen der Ostzone sich gegen den Zwang der Gleichschaltung wehren. In dem kulturpolitischen Abschnitt der Resolution heißt es:

„Bei vielen Intellektuellen ist noch nicht die Erkenntnis gereift, daß der Aufbau einer fortschrittlichen deutschen Kultur nur im unablässigen Kampfe gegen die reaktionären Tendenzen auf kulturellem Gebiet, gegen die volksfeindlichen Theorien des Kosmopolitismus, gegen den bürgerlichen Objektivismus und gegen die amerikanische Kulturbarbarei erfolgen kann.

An den Universitäten der Deutschen Demokratischen Republik hat weder die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit unwissenschaftlichen Auffassungen reaktionärer Hochschullehrer noch der unversöhnliche Kampf gegen reaktionäre Einflüsse, gegen Kosmopolitismus und Objektivismus richtig begonnen. Selbst offen reaktionäre Ausfälle einzelner Professoren werden nicht scharf zurückgewiesen.

In der bildenden Kunst ist der entschiedene Bruch mit dem Formalismus noch nicht vollzogen, weil der Formalismus und dessen Wurzel, der Kosmopolitismus, nicht als volksfremde und volksfeindliche Strömung, als Waffe des Imperialismus erkannt wurden. Erst ganz bescheidene Anfänge des Realismus sind in der bildenden Kunst zu erkennen. Besonders stark herrschen in der Architektur die formalistischen Tendenzen vor, die an den wahren Bedürfnissen der Werktätigen vorbeigehen.

Auch der Film, die wichtigste Kunst für die Massen, hat die großen Möglichkeiten, die in der fortschrittlichen Entwicklung unserer Ordnung liegen, noch nicht ergriffen. Die DEFA hat trotz technischer Möglichkeiten zu wenig Filme herausgebracht, vor allem zu wenig Filme, die den Kampf um den Frieden, um die demokratische Einheit Deutschlands und um den Aufbau der Deutschen Demokratischen Republik zum Inhalt haben.

Alle diese Mängel und Schwächen sind ein Ausdruck der Tatsache, daß große Teile der Kulturschaffenden noch nicht genügend Verständnis dafür aufbringen, daß es in der großen Auseinandersetzung unserer Zeit kein Niemandsland, keine neutrale Position geben kann.“