Frankfurt, Ende Juli

Ein Maskenball entfesselter Phantasie: im Irrgarten der Liebe, zu einer Sarabande aus klingenden Pointen und ritterlichen Tiraden getanzt. Dreizehn Jahre war Lope de Vega alt, als er seine erste Komödie schrieb und dreiundsiebzig bei seiner wohl tausendfünfhundertsten; wann Die Launen der Doña Beiisa entstanden, ist nicht recht festzustellen –, ob vor oder nach 1614, dem Jahr seiner Priesterweihe. Bei aller herkömmlichen Schelmendramaturgie der spanischen Barock-Komödie, bei allem närrischen Gaukelspiel und amoureusen Schabernack ist das hier in seiner sexualpsychologischen Fragestellung durchaus modern: wie ein exaltierter Vamp von seinen Launen und Überspanntheiten, geheilt wird, indem er endlich einen Mann bekommt. Und um diese Zähmung der Widerspenstigen herum entfaltet Lope wieder eine ganze Galerie altspanischer Charaktere: heißspornige Caballeros und lüsterne Gecken, polternde Onkel und leichtfüßige Zofen, liebesfreudige Witwen und verkleidete Edelleute, verfolgte Unschuld und Wirrnis der Herzen, bis sich zuletzt doch die Paare im kußseligen happy-end finden. Das ist unter des Dichters routinierter Hand zu einem farbenprächtigen Sittenbilds geworden, hat gleichsam die Eleganz der Pinselführung von Velasquez mit dem prallen Realismus von Ribera vereint. Die deutsche Erstaufführung an den Städtischen Bühnen Frankfurt ist von Siegfried Nürnberger inszeniert. Doch die Grazie wurde bei ihm leider zur Gravität und die Possierlichkeit zur Posse oder zur Pose. Ulrich Seelmann-Eggebert