In einem Bericht des Vatikan-Senders über die Lage der katholischen Kirche im Machtbereich der Sowjetunion wurde mitgeteilt, daß in den letzten fünf Jahren 13 000 Geistliche ermordet oder in Konzentrationslager geschleppt wurden. Zur gleichen Zeit, da die Bolschewisten ihre „Friedenskampagne“ trieben, wurden in der Tschechoslowakei 300 Geistliche ins Gefängnis geworfen, in Rumänien 700, in den baltischen Staaten 1000 Geistliche „liquidiert“ oder eingekerkert, in Polen 1000 Geistliche deportiert. Allein in Ungarn wurden 538 katholische Geistliche ermordet oder deportiert. – Inzwischen sind neue Untaten bekannt geworden.

In diesen Tagen geht unter der Leitung des ungarischen Volksbildungsministers Reval eins neue große Propagandawelle gegen die „reaktionären kirchlichen Elemente“ über das Land. Die Polizei brach in die katholischen Klöster ein und verhaftete etwa 2000 Priester, Mönche und Nonnen. Die Kirche hat zwar bei der Regierung protestiert, doch ohne Erfolg. Zugleich begann eine neue Kampagne gegen die Bischöfe.

Wie Kardinal Mindszenty der Märtyrer der katholischen Kirche wurde, so wurde der Leiter der lutherischen Kirche in Ungarn, Bischof Ordaß, Vorkämpfer und Opfer unter den protestantischen Gläubigen. Kürzlich wurde er, der zu langjährigem Gefängnis verurteilt war, freilich aus der Haft entlassen. Der norwegische Bischof Berggrav bot ihm telegrafisch Asylrecht in Norwegen an. Es scheint jedoch, daß Ordaß in Ungarn bleiben und sein Land nicht verlassen will, selbst wenn er es könnte.

Der Grund für seine Verhaftung war sein Protest gegen das Gesetz zur Schließung aller Konfessionsschulen in Ungarn gewesen. Doch dies war nicht das erstemal, daß Bischof Ordaß gegen die kommunistischen Machthaber auftrat.

Den ersten Konflikt hatte er wegen der kirchlichen Rundfunkübertragungen, die auf Staatsbefehl zensiert werden sollten. Ordaß erklärte damals, daß er lieber auf die Sendungen verzichten als eine Zensur seiner Predigen dulden wolle. Auch der Forderung des kommunistischen Ministers Milhalyfi, eines lutherischen Pastorensohnes, der einen kommunistenfreundlichen Bischof einsetzen und alle „reaktionären“ Leiter der Kirche entfernen wollte, widersetzte Ordaß sich energisch. Ein Abkommen mit dem Staat – so sagte er damals – sei nur unter vier Bedingungen möglich: Absolute Redefreiheit, Garantie für eine dauernde kirchliche Kontrolle in den Konfessionsschulen, vollkommene Freiheit, ausserhalb der Schule zu unterrichten und das Recht, die soziale kirchliche Arbeit – nämlich die Betreuung der Hospitale und Kinderheime – fortzusetzen.

Als die große ökumenische Tagung in Amsterdam im August 1948 stattfand, konnte Bischof Ordaß nicht teilnehmen, weil die Regierung ihm ein Ausreisevisum verweigerte. So erreichte die Nachricht von seiner Verhaftung diese Konferenz gerade in dem Augenblick, als der tschechoslowakische Delegierte Hromadka behauptete, daß die Kirche hinter dem Eisernen Vorhang uneingeschränkte Religionsfreiheit genieße. Inzwischen wurde Ordaß unter dem Vorwand, betrügerische Devisengeschäfte getätigt zu haben, zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Weil die Anmeldung von Geldspenden aus Amerika für die lutherische Kirche, die bei der Nationalbank schriftlich vorgenommen werden mußte, durch Ordaß nur mündlich erfolgt war, wurde ein Verstoß gegen die Devisenbestimmungen als erwiesen erachtet...

Seitdem hatte der Staat freie Bahn: Im Dezember 1948 wurde ein Konkordat mit der Regierung, das die Beziehungen zwischen der Kirche und der kommunistischen Volksrepublik regelt, unterzeichnet. Ein neuer Bischof, Layos Vetö, ein Kommunist, wurde „gewählt“; ein neuer Laienpräsident, Ivan Reök, gleichfalls ein Kommunist, wurde eingesetzt. Anfang 1949 wurde Ordaß die Freilassung in Aussicht gestellt, wenn er belastende Aussagen gegen Kardinal Mindszenty machen würde. Er weigerte sich und wurde durch ein kommunistisches Sondergericht abgesetzt. Damit war seine Rückkehr in die Kirche endgültig versperrt. Er war nicht Bischof mehr. Und so entließ man ihn denn aus der Haft. Die Absetzung von Bischof Ordaß hat die Empörung der gesamten lutherischen Welt hervorgerufen. Der Generalsekretär des lutherischen Weltbundes, Dr. Michelfelder, erklärte, daß Bischof Ordaß nach wie vor Vizepräsident des lutherischen Weltbundes bleibe. Engdahl-Thygesen