Nicht nur, daß die drei Westmächte die Überwachung der legalen und illegalen KPD angeordnet haben –: aus amerikanischen Kreisen verlautet zugleich, daß die USA bereit seien, notfalls Truppen gegen kommunistische Unruhen in Deutschland einzusetzen. Endlich wird der Westen aktiv: In Frankfurt mußte eine kommunistische Zeitung für drei Monate ihr Erscheinen einstellen. In Düsseldorf wurden Mitglieder kommunistischer Klebekolonnen zu Gefängnis verurteilt, und ein nachlässiger Polizeichef wurde beurlaubt. Die gesamte Polizei soll auf ihre politische Zuverlässigkeit hin überprüft werden. Dem Kommunistenchef Max Reimann wurde die Immunität entzogen. Und Bonn kündigt einen Schlag gegen die illegale KP an. Ja, der Westen beginnt sich zu regen, wahrlich nicht zu früh. Man hat jahrelang zwar nicht auf dem Vulkan getanzt, aber auf ihm geschlafen.

Die KPD ist weder eine deutsche noch eine demokratische Partei. Sie ist der verlängerte Arm des Kremls. Sie ist – das sagt sie selbst – eine politische Kaderorganisation. Wenn also auch der ständige Stimmenverlust der Kommunisten bei allen Wahlen und die sich mehrenden Austritte aus der Partei (im letzten Jahre 30 000) dem politischen Sinn der deutschen Bevölkerung ein erfreuliches Zeugnis ausstellen, so wäre es doch eine Torheit, aus dieser Kurve ein Nachlassen der bolschewistischen Bedrohung herauslesen zu wollen. Nicht die legalen, sondern die illegalen Kommunisten sind gefährlich, denn tausend dieser Illegalen können im Ernstfall entscheidender handeln als hunderttausend offizielle Demokraten. Ein Verbot der Kommunistischen Partei wäre im Augenblick sinnlos. Eine Aktion gegen die Untergrundkader hingegen ist eine Notwendigkeit.

Die kommunistischen Untergrundkader haben verschiedenen Aufgaben: Erstens: Sabotage im Fall eins Bürgerkrieges; es ist bekannt, daß an verschiedenen Eisenbahnknotenpunkten von kommunistischer Seite hierfür alle Vorbereitungen bereits abgeschlossen sind. Zweitens: Schädigung der deutschen Wirtschaft durch Schmuggel, Handels- und Finanztransaktionen. Drittens: Besetzung von Schlüsselpositionen in Regierung, Wirtschaft und Polizei. Viertens: Beseitigung unbequemer Politiker; ihr Gesellenstück lieferte die dafür zuständige „Kommissar-Abteilung“ erst kürzlich im Falle des an die Ostzone ausgelieferten Kommunisten Müller. Und endlich – fünftens – Wühlarbeit und Unruhestiftung. In ständig steigendem Maße unter Aufwendung enormer Mittel strömt aus dem Büro Eisler auf offiziellem und inoffiziellem Wege Propagandamaterial nach dem Westen. Minister, Bundestagsabgeordnete, Handelskammern, Betriebsräte und Einzelpersonen erhalten wöchentlich per Post kommunistische Broschüren, Zeitungen und Flugblätter zugestellt. Durch andere Kanäle fließt die getarnte Propaganda. Sie schiebt in angebliche Fachblätter politische Kommentare ein oder verteilt für die Wartezimmer westdeutscher Ärzte Rätselhefte, deren Auflösungen Lobeshymnen auf die Sowjetunion und Schmähungen gegen Bonn enthalten. Waggonweise trifft solches Material im Westen ein. Die Zahl der Agenten, die von der Sowjetzone in die Bundesrepublik eingeschleust werden, beträgt monatlich etwa 200. Und dennoch glauben viele brave Bürger, dies alles gehe sie nichts an. Ach, sie erinnern allzusehr an jenen Mann, der den Kalender nicht abriß, um jung zu bleiben.

Doch mit den hier aufgezeigten Methoden ist die Arbeit der Kommunisten nicht erschöpft. Im Gegenteil –: Nicht Gesinnung, Mut und Intellekt seiner Jünger sind die stärksten Verbündeten Stalins, sondern Gesinnungslosigkeit, Furcht und Narrheit seiner Opfer. Es gibt über 50 getarnte kommunistische Organisationen in der Bundesrepublik, angefangen von der „Gesellschaft zum Studium der Sowjetunion“ und der FDJ über den „Kulturbund für demokratische Erneuerung“, die „VVN“ und den „Demokratischen Frauenbund“ bis zu den über das ganze Bundesgebiet verstreuten verschiedenen „Arbeitsausschüssen für gesamtdeutsche Fragen“ und „Friedenskomitees“. Ihnen zur Seite stehen die Defätisten unserer Zeit, die „Brückenbauer“, und Neutralisten, – und jene merkwürdigen Handelsorganisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Handel mit der Sowjetzone zu fördern. Sie alle sind nichts als die Handlanger einer ausländischen Macht, auch dann, wenn sie ahnungslos auf den kommunistischen Leim gekrochen sind und in gutem Glauben darauf kleben. Was ist denn die „Friedens“-Parole Ulbrichts anderes als die Parole der „Nationalen Front“! Nur daß an Stelle des Wortes „National“ das hier so verlogene Wort „Friede“ steht!

Es ist an der Zeit, alle illegalen Organisationen der KPD zu verbieten, da sie sich ja selbst außerhalb des Gesetzes gestellt haben. Man verbiete alle Tagungen getarnter kommunistischer Gruppen, statt ihnen offizielle Gebäude zur Verfügung zu stellen; so geschehen in der Hauptstadt Nordrhein-Westfalens, Man schaue der FDJ auf die Finger, statt ihnen – wie in ländlichen Bezirken geschehen – immer noch mit Spenden aus dem Fiskus auszuhelfen. Man kümmere sich um die arbeitslose wartende Jugend, statt sie, in die Arme der FDJ zu treiben. Man verbiete das für Oktober geplante „Friedenstreffen der Hunderttausend“ in Dortmund, statt einen Bittbrief der Veranstalter an den Bundeskanzler um finanzielle Unterstützung unbeantwortet zu lassen. Man rücke öffentlich ab von allen Leuten, die auf beiden Schultern tragen, sei es, daß sie, wie der Rennfahrer Manfred von Brauchitsch oder der katholische Ehrenkanzler der Una-Sancta-Gemeinschaft, Professor Dr. Luedke, den „Stockholmer Appell“ unterzeichneten, sei es, daß sie, wie der amtierende Oberstaatsanwalt in Aachen, Dr. Rudolf Reuter, einen Kongreß des „Kulturbundes für demokratische Erneuerung“ unterstützten, sei es, daß sie, wie zahlreiche Großindustrielle, durch Spendenbeiträge an die KPD oder durch Annoncen im Zentralorgan der KPD, „Freies Volk“, den Kommunismus finanzieren. Im Falle dieser Inseratenaufträge haben einige Industrielle sich darauf herauszureden versucht, daß die Anzeigen auf Wunsch ihrer Betriebsräte erfolgt seien. Das ist nicht wahr. Die meisten Aufträge waren von den Direktoren selbst unterzeichnet. Und – auch dies sei vermerkt – gesammelt wurden die Inserate zum großen Teil durch einen hohen Funktionär des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Abteilung Steine und Erden. – Man zögere nicht, endlich den gesamten Beamten- und vor allem den Polizeiapparat von kommunistischen Elementen zu säubern, anstatt darauf hinzuweisen, daß die Amerikaner es 1945 gewesen seien, die die Kommunisten salonfähig gemacht hätten, und nur aus Sorge vor den zu zahlenden Pensionen derartige Hochverräter weiterhin in führenden Positionen zu belassen; ein ordentliches Disziplinarverfahren könnte ohnehin von Fall zu Fall den Bedenken des Fiskus Rechnung tragen.

Man wende nicht ein, diese Methoden seien undemokratisch. Sie sind es so wenig, wie Notwehr Verbrechen ist. Die Bolschewisten sind nicht bereit, ihren Kampf aufzugeben. Erst Ende Juli besprach Max Reimann zuletzt in einer fünfeinhalbstündigen Unterredung mit dem Sowjetbotschafter Semjonow die Fortsetzung des unterirdischen Krieges. Der Erfolg: Die Kommunisten gaben bekannt, daß sie den „aktiven Widerstand“ gegen die Besatzungsmächte im Bundesgebiet aufnehmen werden, sobald ihnen der Auftrag dazu vom „Gesamtdeutschen Nationalkongreß“ erteilt wird. Dieser Kongreß tritt am 25. und 26. August in Berlin zusammen. Das ist in zwei Wochen. Wir haben also wahrlich keine Zeit mehr zu verlieren.